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Was haben Sie auf dem Trendradar?

„Game Changer“ oder Modeerscheinung? Mit echter Trendbeobachtung entdecken Sie relevante Entwicklungen früher – zum Beispiel mit dem Logistics Trend Radar.

Trends vorherzusagen ist notorisch schwierig. Wer kann schon sagen, welcher Trend nachhaltige Auswirkungen haben und welcher sich als Hype erweisen wird? Eine spannende Herausforderung ist die Trendbeobachtung dennoch, weil sie sich mit Fragen wie diesen beschäftigt: Welche Trends könnten echte „Game Changer“ sein, durch die sich die Spielregeln am Markt verändern? Und warum haben andere keine größeren Auswirkungen auf die Logistik gehabt?

Wer diese Fragen beantworten will, muss stets einen Schritt voraus sein, Trends frühzeitig analysieren und bei der Identifizierung neuer Trends einen offenen und kundenorientierten Ansatz verfolgen. Wenn Sie proaktiv sind und Forschungsergebnisse in die Praxis transferieren, werden Sie direkte Einblicke in potenziell wegweisende Trends erhalten.

Genau das ist meine Aufgabe als Leiter des DHL Trend Research-Programms. Wir haben gerade die dritte Ausgabe unserer 2013 gestarteten Studienreihe Logistics Trend Radar veröffentlicht. Diese in der Branche viel beachteten Analysen helfen der Logistikindustrie, wesentliche gesellschaftliche, geschäftliche und technologische Entwicklungen zu identifizieren und zu beobachten. Die neueste Ausgabe beleuchtet einige der wichtigsten Trends der Vergangenheit und gibt detaillierte Einblicke in die Trends, die wir aktuell auf dem Radarschirm haben.

Rückblick

Der Rückblick ist deshalb interessant, weil er zeigt, welche Trends die Logistikindustrie tatsächlich erkennbar geprägt haben. In den letzten Jahren haben einige bedeutende Technologien eine wichtige Rolle in Logistik-Innovationen gespielt. Zugleich werden mehrere gesellschaftliche und geschäftliche Trends die Art und Weise, wie wir Logistik nutzen, schon bald grundlegend verändern.

Für das größte Aufsehen hat in den letzten Jahren sicherlich die autonome Logistik gesorgt. Am Boden gewinnen selbstfahrende Fahrzeuge in der Logistik an Bedeutung und haben bereits die nötige Reife für den kommerziellen Einsatz im Lagerbetrieb erreicht. In der Luft brauchen unbemannte Fluggeräte (UAVs) oder Drohnen noch etwas mehr Zeit, bevor sie sich für die Massenanwendung eignen. Die ersten Testläufe – zum Beispiel mit unserem Parcelcopter – haben das Zukunftspotenzial der UAVs aber bereits sehr deutlich gemacht.

Große Fortschritte werden auch in der Interaktion und Zusammenarbeit von Mensch und Maschine gemacht. Augmented Reality (AR)-Lösungen mit Datenbrillen (‚Smart Glasses‘) haben sich als erfolgreicher erwiesen als angenommen. Die bislang vorwiegend in der Kommissionierung verwendeten Datenbrillen (sogenannte ‚Vision Picking‘-Anwendungen) ermöglichen eine intelligente, freihändige Steuerung von Kommissioniervorgängen. Die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend. DHL und Ricoh haben den Einsatz dieser Technologie in den Niederlanden erfolgreich erprobt: Abgesehen von den vielen positiven Rückmeldungen der Nutzer wurde eine 25-prozentige Effizienzsteigerung erzielt. Ähnliche Entwicklungen beobachten wir in den Bereichen Robotik und Automation. Die Roboter der nächsten Generation sind leichter, flexibler, einfacher zu programmieren und günstiger in der Anschaffung. Wir haben erfolgreich mehrere Tests durchgeführt, die zeigen, dass kollaborative Roboter Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten und diesem monotone sowie körperlich anstrengende Aufgaben abnehmen können.

Die transformative Wirkung neuer Technologien lässt sich relativ einfach greifbar machen. Gesellschaftliche und geschäftliche Trends dagegen sind häufig schwieriger zu fassen, können aber für die Zukunft der Logistikindustrie genauso wichtig sein. Ein bedeutender Trend, der über den Erfolg oder Misserfolg von Einzelhandel und E-Commerce entscheiden wird, ist die Omnichannel-Logistik. Die Shoppingerfahrung heutiger Käufer umfasst mehrere Offline- und Online-Kanäle; eine Abfolge mehrerer Handlungen in einem Kanal wird durch eine nahtlose Verknüpfung von Handlungen über mehrere Kanäle ersetzt.

Gleichzeitig ist ein zunehmender Trend hin zu einer fairen und verantwortungsvollen Logistik zu beobachten. Angesichts großer globaler Trends wie dem nachhaltigen Konsum, der Digitalisierung und der Globalisierung legen Unternehmen den Fokus zunehmend darauf, gesellschaftliche und umweltbezogene Herausforderungen in Chancen umzuwandeln, indem sie faire und nachhaltige Lösungen entwickeln, die positive Wertbeiträge für die Gesellschaft und die Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette generieren.

Der Blick nach vorne

Dies sind nur einige der vielen Trends, die die Logistikindustrie in den kommenden Jahren prägen und vielleicht grundlegend verändern werden. Um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen, auf diese zu reagieren und die Zukunft der Logistik direkt zu beeinflussen, ist es wichtig, kontinuierlich neue Trends zu identifizieren und zu bewerten. Welche spannenden Trends sind zuletzt auf unserem Logistics Trend Radar aufgetaucht?

Im Zuge des Megatrends „Hypercustomization“ beobachten wir einen neuen, an Dynamik gewinnenden Trend, den wir ‚Batch Size One‘ (‚Losgröße 1‘) nennen. Immer mehr Verbraucher erwarten stärker personalisierte Produkte – ein Trend, der den Anstoß für die Massenfertigung individuell zugeschnittener Produkte gibt. Daher: Losgröße 1. Dieser Trend setzt eine dezentrale, automatisierte Produktion und agile Lieferketten voraus, die schnell an zeitliche und örtliche Veränderungen angepasst werden können. Vorreiter können sich durch diesen Trend Wettbewerbsvorteile sichern, indem sie zum Beispiel neue Zurückstellungs- und Zustellleistungen anbieten. Wir sind überzeugt, dass dieser Trend messbare Auswirkungen auf die Logistikindustrie haben wird, aber frühestens in fünf Jahren.

Die On-Demand-Zustellung (‚Zustellung auf Abruf‘) ist ein weiterer neuer Trend, den wir genau im Auge behalten. Der Zustellmarkt wird nicht mehr von großen Anbietern beherrscht, die eingeschränkte Zustellzeiten und -orte festlegen. Neue On-Demand-Konzepte für die Zustellung auf der letzten Meile nutzen crowd-gestützte Prozesse und flexible Kuriermitarbeiter, um Kunden ihren Einkauf zu liefern, wann und wo es diesen am besten passt. Dieser vormals als ‚Crowd-Logistik‘ bezeichnete Trend hat in den letzten beiden Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, was vor allem auf den Markteintritt von Uber Rush zurückzuführen ist. Er umfasst eine Vielzahl von Crowdsourcing-Zustellanwendungen. Unsere Einschätzung: Die On-Demand-Zustellung wird kurzfristig erhebliche Auswirkungen auf die Logistikindustrie haben.

Selbstlernsysteme und maschinelles Lernen werden ebenfalls ein „Game Changer“ sein, der eine vollständig autonome, datengetriebene Optimierung der Logistik ermöglicht. Selbstlernsysteme passen ihre Algorithmen bei minimaler oder auch ganz ohne menschliche Intervention an und verbessern sie, wenn sie mehr Daten erhalten. Dadurch erzielen sie mit der Zeit immer bessere Ergebnisse. Große Fortschritte in Algorithmen, der Leistungsfähigkeit von Computern und Hardware ermöglichen neue Formen maschineller Lernanwendungen in der Logistik. Das eröffnet enormes Potenzial für autonome, datenbasierte Entscheidungen und die Optimierung von Logistikabläufen. Die Technologie ist zwar noch längst nicht ausgereift – wenn es so weit ist, wird sie unserer Branche aber ganz sicher ihren Stempel aufdrücken.

Seien Sie vorbereitet
Wer bereit sein will für die Chancen und Herausforderungen der Zukunft – oder die Zukunft der Logistik sogar aktiv mitgestalten will – muss Trends frühzeitig analysieren, sich durch sie inspirieren lassen und auch unkonventionelle Denkansätze verfolgen. Wir wissen inzwischen, dass einige Trends anhalten werden, und behalten die Trends im Blick, die die Zukunft der Logistik prägen dürften. Unser Geschäftsumfeld verändert sich jeden Tag. Nur wer stets einen Schritt voraus bleibt, wird in der Lage sein, immer wieder innovative Lösungen für die Welt der Logistik zu entwickeln.

Logistics Trend Radar

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