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Effektiveres Risikomanagement durch mehr Transparenz in der Wertschöpfungskette

Lieferkettenrisiken lauern an unerwarteten Orten. Denken wir nur einmal zurück an das Feuer in einem Chemikalienlager im chinesischen Hafen Tianjin am 12. August 2015. Die lokalen Einsatzkräfte wussten nicht, dass an diesem Standort große Mengen unerlaubte und sehr gefährliche Chemikalien lagerten und versuchten, die Flammen mit Wasser zu löschen. Dies löste zwei gewaltige Explosionen aus, die die gesamte Anlage und große Teile der Umgebung zerstörten.

Die Katastrophe forderte viele Opfer: Mindestens 159 Menschen wurden getötet und etwa 800 verletzt. Auch die Sachschäden waren enorm. Analysten schätzen, dass die größere der beiden Explosionen in Tianjin der Detonation von 21 Tonnen TNT gleichkommt. Dort, wo zuvor das Lagerhaus stand, hat die Explosion einen Krater hinterlassen, und noch in zwei Kilometern Entfernung waren Gebäude beschädigt.

Der wirtschaftliche Schaden ist noch viel weitreichender. Tianjin ist der größte Hafen im Norden Chinas und einer der geschäftigsten weltweit. Ca. 8.000 im Hafen gelagerte Neuwagen wurden zerstört. Hersteller wie Toyota, John Deere und GlaxoSmithKline mussten ihren Betrieb in nahegelegenen Standorten vorübergehend einstellen. Bei Unternehmen in ganz China kam es zu Verzögerungen und Unterbrechungen von Rohstofflieferungen. Exportwaren – von Erdöl bis Eisenerz – mussten auf alternativen Routen zu Kunden im Ausland befördert werden.

Katastrophen wie in Tianjin sind zum Glück selten, erhebliche Störungen in der Lieferkette jedoch nicht. Deshalb starteten wir vor einigen Jahren ein neues Forschungsprojekt mit dem Ziel, Instrumente für eine bessere Visualisierung und Überwachung von Lieferkettenrisiken und -störungen sowie effektive Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Das Ergebnis ist Resilience360 – unsere Lösung für das Supply-Chain-Risikomanagement, die auf drei ausgeklügelten Instrumenten basiert: erstens einer kontinuierlichen Bewertung der Lieferkettenrisiken und der Belastbarkeit der Lieferkette, zweitens einer Echtzeitüberwachung von Lieferkettenstörungen und drittens speziellen Logistik-Kontrolltürmen, die aktiv auf Störfälle reagieren und Produktionsstopps verhindern können.

Risikobewertung

Als erstes kartiert Resilience360 jedes Glied der Wertschöpfungskette – bis hin zu den Lieferanten der dritten und vierten Ebene. Danach bewerten wir das Ausmaß der Gefährdung in jedem Glied der Kette mit hauseigenen Tools wie länderspezifischen Risk Maps und unserem „Supply Chain Risk Exposure Index“. Im Anschluss erstellen wir ein Bild der Belastbarkeit des Netzwerks. Wie belastbar die Lieferkette ist, hängt maßgeblich davon ab, wie geschäftskritisch die zugelieferten Komponenten sind, ob Zugriff auf alternative Lieferanten oder Puffervorräte besteht und wie gut das Risikomanagement der Lieferanten ist.

Störfallüberwachung

Am effektivsten ist das Lieferketten-Risikomanagement, wenn potenzielle Störfälle möglichst frühzeitig identifiziert werden können. Resilience360 ermöglicht die Echtzeit-Überwachung verschiedener Risikoereignisse für globale Lieferketten. Nachdem die komplette Wertschöpfungskette kartiert worden ist, können alle Standorte im Netzwerk sofort über potenzielle Störfälle informiert werden.

Ein derartiges Frühwarnsystem gibt Unternehmen die Möglichkeit, ihre Lieferkettenpartner zu kontaktieren und gezielte Gegenmaßnahmen wie die Nutzung alternativer Zulieferer zu ergreifen. Gleichzeitig protokolliert das Tool die Meldungen der einzelnen Standorte. So haben Unternehmen jederzeit einen Überblick über den aktuellen Zustand ihres gesamten Netzwerks. Das macht es leichter, im Krisenfall netzwerkweite Maßnahmen zu koordinieren.

„Risk Response“-Tool für effektive Gegenmaßnahmen

Schließlich bietet Resilience360 einen speziellen Logistik- und Risiko-Kontrollturm, der die potenziellen Folgen von Störfällen nach Rückspräche mit den Lieferkettenpartnern bewertet. Außerdem identifiziert er Gegenmaßnahmen wie die Nutzung alternativer Transportmittel oder Routen und koordiniert deren Umsetzung in enger Abstimmung mit den jeweiligen Stakeholdern.

Das „Risk Response“-Tool gibt einen Überblick über alle Optionen, die Unternehmen im Krisenfall zur Verfügung stehen, und ermöglicht so die Auswahl der robustesten und kosteneffektivsten Lösung.

Im Geschäftsalltag übernimmt der Kontrollturm die Datenerfassung und -berichterstattung. Er stellt kontinuierlich aktualisierte Informationen zu neuen Risiken bereit, untersucht die Geschäftskontinuitätsplanung der Lieferanten und prüft mögliche Strategien zur Risikominderung.

Niedrigere Kosten, höhere Reaktionsfähigkeit

Die Bedrohung durch Lieferkettenrisiken nimmt zu. Zugleich entstehen immer neue Arten von Risiken.

Unternehmen, die Resilience360 nutzen, können schnell auf Störfälle reagieren und ihre Kosten deutlich reduzieren. So sinkt der Bedarf an teuren Expressdienstleistungen und etwaige Produktionsausfälle, Umsatzverluste und Imageschäden werden minimiert. Da das System auf einer robusten und flexiblen Cloud-Plattform basiert, kann es selbst komplexeste Lieferketten überwachen, in Unternehmenssysteme integriert werden und schnell an veränderte Netzwerkstrukturen angepasst werden.

Fazit: Die Bedrohung durch Lieferkettenrisiken nimmt zu. Zugleich entstehen immer neue Arten von Risiken. Nur Unternehmen, die ihre Wertschöpfungsketten wirklich verstehen, können Strategien entwickeln, um diese Risiken zu minimieren, zu steuern und im besten Fall zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.

DHL Resilience360 – Instrument für Risikomanagement in der Logistik

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