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Globale Vernetzung: Wegbereiter für eine bessere Zukunft

Die Studie Logistik 2050 von Deutsche Post DHL beschäftigt sich intensiv mit der Zukunft und beleuchtet eine Reihe möglicher Szenarien, die sich unter anderem durch den jeweils angenommenen Grad der globalen Vernetzung unterscheiden. Dafür, dass eine stärker vernetzte Welt mehr Wohlstand und ein reichhaltigeres Erbe an kulturellen und anderen gesellschaftlichen Errungenschaften für künftige Generationen schafft, gibt es überzeugende Belege. Einige davon werden im DHL Global Connectedness Index 2012 vorgestellt.

Die seit Ausbruch der jüngsten Finanzkrise zu beobachtenden Entwicklungen sind nicht ermutigend. Der DHL Global Connectedness Index misst die Tiefe und Breite des weltweiten Austauschs von Gütern und Dienstleistungen, Kapital, Informationen und Personen anhand von mehr als 1 Million Datenpunkten von 2005 bis heute. Dabei zeigt sich: Nachdem der Grad der globalen Vernetzung bis 2007 stetig gestiegen ist, ging er von 2007 bis 2009 massiv zurück und ist trotz einer seither verzeichneten leichten Erholung noch weit von seinem 2007 erreichten Höchststand entfernt.

Die einschneidenden Folgen der Finanzkrise für die grenzüberschreitenden Verkehrsströme zeigen, dass die seit Ende des Zweiten Weltkriegs fortschreitende weltweite Vernetzung und die damit verbundenen einzigartigen Wohlstandszuwächse ein fragiler, jederzeit umkehrbarer Prozess sind. Global Trade Alert berichtet, dass globale Regierungen seit November 2008 drei Mal mehr wettbewerbsdiskriminierende Maßnahmen umgesetzt haben als Maßnahmen, die eine stärkere Liberalisierung oder Transparenz des Handels zum Ziel hatten. Es ist nicht selbstverständlich, dass künftige Generationen von den Vorteilen der globalen Vernetzung profitieren werden. Heute getroffene Entscheidungen haben große – und nicht notwendigerweise positive – Auswirkungen darauf, wie die Welt im Jahr 2050 aussehen wird.

Das Ausmaß der Globalisierung ist deutlich geringer als gemeinhin angenommen

Ein fundiertes Verständnis der heutigen grenzüberschreitenden Verkehrsströme ist eine kritische Voraussetzung für informierte Entscheidungen über eine Ausweitung oder Rücknahme der Globalisierung – dabei sind die hitzigen Debatten zu diesem Thema nur selten von harten Fakten gespeist. Diese Lücke will der DHL Global Connectedness Index füllen. Mit umfassenden aktuellen Daten und Analysen zum Thema gibt er dem Leser einen Leitfaden für fundierte Bewertungen des Potenzials einer stärkeren weltweiten Vernetzung an die Hand. Treffend zusammengefasst hat die grundlegende Prämisse der Soziologe und Politiker Daniel Patrick Moynihan: „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.“

Wie der DHL Global Connectedness Index zeigt, ist die Welt deutlich weniger globalisiert als gemeinhin angenommen wird. Von den Aktivitäten, die entweder auf nationaler oder internationaler Ebene stattfinden könnten, konzentriert sich ein deutlich größerer Anteil auf das Inland. Zum Beispiel sind nur 2% aller Telefongespräche internationale Gespräche, nur 3% der weltweiten Bevölkerung sind Immigranten, ausländische Direktinvestitionen haben einen Anteil von lediglich 10% an den weltweiten Bruttoanlageinvestitionen, und nur etwa 20% der weltweiten Wirtschaftsleistung wird grenzüberschreitend gehandelt. Die meisten Unternehmensführer überschätzen diese und weitere Messgrößen der Globalisierung um ein Dreifaches: Intuitive Annahmen zum Grad der Globalisierung sind so weit entfernt von der Realität, dass man mit Recht von „Globalisierungsquatsch“ sprechen kann.

Die Tatsache, dass die Welt weitaus weniger vernetzt ist vermutet, kann auch helfen, Globalisierungsängste zu zerstreuen. In einer vor kurzem in Frankreich durchgeführten Umfrage schätzten die Befragten den Anteil der Immigranten an der französischen Bevölkerung auf 24%. Tatsächlich sind es aber nur 8%. Hätten die immigrantenfeindlichen Parolen im Wahlkampf 2012 eine so große Rolle gespielt, wenn die Bevölkerung besser über den tatsächlichen Grad der Globalisierung informiert gewesen wäre?

Die Feststellung, dass die globale Vernetzung weiterhin begrenzt ist, bedeutet auch, dass es noch überraschend viel Spielraum für intelligente, wohl dosierte politische Maßnahmen gibt, mit denen die globale Vernetzung vorangetrieben und dadurch größere Wohlstandszuwächse erschlossen werden könnten. Die für den DHL Global Connectedness Index 2012 durchgeführten Analysen zeigen, dass eine Vertiefung der wirtschaftlichen Integration ein zusätzliches Wachstumspotenzial von mehreren Billionen Dollar erschließen könnte.

Da die nationale Politik einen großen Einfluss auf die internationale Vernetzung eines Landes hat, bewertet der DHL Global Connectedness Index den individuellen Vernetzungsgrad von 140 Ländern, auf die 99% der weltweiten Bevölkerung und 95% des globalen BIP entfallen. Ganz oben auf der Liste der am stärksten vernetzten Länder standen 2012 in absteigender Reihenfolge die Niederlande, Singapur, Luxemburg, Irland, die Schweiz, Großbritannien, Belgien, Schweden, Dänemark und Deutschland.

Europa bleibt die Region mit dem höchsten Vernetzungsgrad

Die Tatsache, dass neun der zehn am stärksten vernetzten Länder in Europa beheimatet sind, unterstreicht Europas einzigartige Stellung als Region mit dem höchsten Volumen an grenzüberschreitenden Verkehrsströmen. Am geringsten ist die Vernetzung in Subsahara Afrika – allerdings ist der Integrationsgrad der Länder in dieser Region von 2010 bis 2011 stärker gestiegen als in jeder anderen Region der Welt.

Darüber hinaus enthält der DHL Global Connectedness Index eine Untersuchung politischer Maßnahmen, die Regierungen helfen können, die Vorteile der globalen Vernetzung effektiver zu erschließen. Die Studie identifiziert konkrete politische und strukturelle Faktoren, die fast 80% der beobachteten Unterschiede im Vernetzungsgrad zwischen verschiedenen Ländern erklären. So leisten sowohl politische Maßnahmen, die auf eine Ausweitung der internationalen Verkehrsströme abzielen, als auch Maßnahmen zur Verbesserung des inländischen Geschäftsumfelds einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung der globalen Vernetzung eines Landes.

In drei Fallbeispielen werden drei Länder genauer analysiert, um nationale Maßnahmen zur Förderung der globalen Vernetzung in einem unterschiedlichen Kontext aufzuzeigen. Am Beispiel der Niederlande, dem weltweit am stärksten vernetzten Land, wird gezeigt, wie die regionale Integration zur Stärkung der globalen Vernetzung eines Landes beitragen kann. Zugleich macht dieses Beispiel deutlich, dass es selbst im der am stärksten vernetzten Volkswirtschaft der Welt noch viel unausgeschöpftes Potenzial für eine Vertiefung der internationalen Integration gibt. Der Fall Vietnam beleuchtet eindrucksvoll, wie ein sehr armes Land durch eine gezielte politische Forcierung des grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehrs große Wachstumsgewinne realisieren kann. Am Beispiel Mexiko wiederum wird das Zusammenspiel der Tiefe und Breite der nationalen Vernetzung veranschaulicht: In diesem Fall ist die begrenzte Breite der globalen Vernetzung mitverantwortlich für die Begrenzung der Integrationstiefe.

Ein neues Kapitel im diesjährigen Bericht beschäftigt sich mit der globalen Vernetzung auf Branchenebene. Ein Vergleich des Globalisierungsgrads von 20 Industriesektoren widerlegt den Mythos, dass die Globalisierung in allen Wirtschaftszweigen rasch fortschreitet. Drei branchenspezifische Fallbeispiele — Pharma, Personenfahrzeuge und Mobiltelefone — zeigen, wie sich die Verlagerung des Gravitätszentrums der Weltwirtschaft in die Schwellenländer auf die industrielle Vernetzung auswirkt.

Der DHL Global Connectedness Index beschreibt eine komplexe, von begrenzten und uneinheitlich verteilten internationalen Verflechtungen gezeichnete Welt. Der Globalisierungsgrad der am stärksten vernetzten Volkswirtschaft der Welt ist mehrere hundert Mal so hoch wie der des am wenigsten vernetzten Landes. In jedem Land ist die Vernetzung in bestimmten Dimensionen ausgeprägter als in anderen. Und auch in verschiedenen Wirtschaftszweigen ist die Globalisierung unterschiedlich weit fortgeschritten. In dieser komplexen Welt ist die Globalisierung keine O/1-Entscheidung, noch gibt es eine für alle geeignete Globalisierungspolitik. Stattdessen sollte jede Regierung eigene Vernetzungsstrategien umsetzen, die den kulturellen und historischen Eigenheiten des jeweiligen Landes am besten gerecht werden. Der richtige Fahrplan für die Reise ins Jahr 2050 beginnt mit einem umfassenden Verständnis der aktuellen Situation und Ausrichtung. Genau dazu dient der DHL Global Connectedness Index.

Mehr Informationen zum Global Connectedness Index 2012

Tabelle mit Resultaten und Rankings 2005-2011

Frank Appel: Warum globale Vernetzung wichtig ist

Ist Globalisierung weiterhin die Antwort? – Delphi Dialog mit Frank Appel und Pankaj Ghemawat

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