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Der Aufstieg der Sharing Economy

Airbnb ist in der Wall Street in aller Munde. Seine gut dreißig Gründer waren vor sechs Jahren fast pleite. Jetzt sieht es so aus, als würden sie bald Milliardäre sein. Ihre Firma verbindet rund 600.000 Wohnungsinhaber und Hausbesitzer in 160 Ländern mit Millionen von Menschen, die im Internet kostengünstige Unterkünfte suchen. Im Jahr 2013 verzeichnete Airbnb in einer einzigen Nacht 250.000 Gäste in den Wohnungen und Häusern seiner Mitglieder. Gemessen am Wert nähert sich der Home-Sharing-Anbieter bereits den weltgrößten Hotelketten an, einschließlich Hyatt Hotels und Wyndham Worldwide.

Expansionskosten nahe der Nullgrenze

Airbnb verdankt seinen kometenhaften Aufstieg einem neuen Phänomen: Marginalkosten nahe der Nullmarke. Das wirbelt komplette Branchen der Weltwirtschaft durcheinander und lässt, neben dem herkömmlichen Markt, ein neues Wirtschaftssystem entstehen. Der Begriff Marginalkosten beschreibt die Aufwendungen für die Entwicklung einer zusätzlichen Produkt- oder Dienstleistungseinheit, nachdem ein Unternehmen seine Fixkosten geregelt hat – und für ein Unternehmen wie Airbnb sind diese Kosten extrem niedrig.

Es ist nicht schwer zu erkennen, warum das Angebot eine solche Wertsteigerung aufweist. Wenn eine herkömmliche Hotelkette seinem Bestand weitere Räumlichkeiten hinzufügen möchte, dann müssen diese gebaut oder erworben werden, was mit hohem Kostenaufwand verbunden ist. Airbnb kann seinen Bestand nahezu ohne irgendwelche Kosten um neue Räumlichkeiten erweitern, da sein Internetauftritt bereits steht.

Privatbetriebe haben allen Grund, ihre Marginalkosten zu reduzieren, da sich dadurch Gewinne steigern oder Produkte und Dienstleistungen kostengünstiger anbieten lassen – oder beides. Mittlerweile tendieren die Marginalkosten bei einigen Gütern und Dienstleistungen durch das Internet und andere Innovationen jedoch gen Null, was viele Traditionsunternehmen ins Wanken gebracht hat.

Nervosität macht sich breit

Das Phänomen „Null Marginalkosten“ hat im vergangenen Jahrzehnt eine Schneise der Verwüstung durch die Tonträger- und Informationsbranche gezogen, da Millionen von Verbrauchern begannen, Musik, Videos, Neuigkeiten und Wissen untereinander im Internet zu produzieren und zu teilen. Dieses Phänomen hat die Umsatzentwicklung in der Musikbranche, im Zeitungs- und Verlagsbereich sowie im Bücherverlagswesen enorm geschwächt.

Nun erleben wir, wie am Beispiel Airbnb deutlich wird, dass das Phänomen sich von weichen Gütern im virtuellen Raum auf physische Güter in der realen Welt ausdehnt. Airbnb sorgt bei den großen Hotelketten für Nervosität, da es über das Internet ohne nennenswerte Marginalkosten Hunderttausende von Eigenheimbesitzern mit Millionen potenziellen Übernachtungsgästen miteinander verbinden kann. Gleichzeitig können Wohnungs- und Hausbesitzer ihre Wohnstätten zu Preisen vermieten, die weit unter dem liegen, was Hotels für ihre Zimmer veranschlagen können, da ihre Fixkosten wie Hypothekenzahlungen, Grundsteuer und ähnliches bereits abgedeckt sind. Damit können die großen herkömmlichen Hotelketten mit ihren enormen Betriebs- und Gemeinkosten kaum mithalten.

Aus einer kürzlich durchgeführten Studie geht hervor, dass alleine in New York die Hotelbranche rund eine Million an Übernachtungen einbüßte, da rund 416.000 Gäste zwischen Mitte 2012 und 2013 in den privaten Wohnungen und Häusern der Stadt logierten.

Konsumenten werden zu Produzenten

Mehrere hundert Millionen Menschen stellen ihre Geschäftsmodelle bereits teilweise auf diese neue Wirtschaftsform um. Sie entwickeln unabhängig Informationen, Unterhaltungsangebote, umweltfreundliche Energie und 3D-Druck-Produkte und teilen diese mit Anderen, wobei die Marginalkosten gen Null tendieren. Neben Wohnstätten bieten sie auch Autos, Kleidung und sonstige Haushaltsgüter zur gemeinsamen Nutzung an und greifen hierfür – bei geringen bzw. nahezu ohne Marginalkosten – auf Social-Media-Seiten im Internet, Tauschbörsen und Genossenschaften zurück.

Gemeinnützige Bike-Sharing-Angebote sind ein gutes Beispiel für die neue Sharing Economy. Im Jahr 2012 wurden rund um den Globus ca. 132 Millionen Fahrräder verkauft, wodurch Umsätze von mehr als 33 Milliarden US-Dollar generiert wurden. Mittlerweile gibt es jedoch immer mehr junge Menschen, die zu dem Schluss kommen, dass sie kein eigenes Fahrrad benötigen; es reicht ihnen völlig aus, die Fahrräder gemeinsam mit Anderen zu nutzen und nur für die Zeit zu bezahlen, in der sie selbst mit dem Fahrrad unterwegs sind. Da die Generation der „Millennials“ dazu übergeht, Fahrräder mit Anderen gemeinsam zu nutzen anstatt eigene zu besitzen, ist davon auszugehen, dass die Umsätze der Fahrradhersteller zurückgehen werden, da künftig mehr Menschen gemeinsam weniger Fahrräder nutzen.

Diese Art von Phänomen wird sich in den kommenden Jahren weiter ausbreiten. Und wenn mehrere Hundert Millionen Menschen große Teile ihrer geschäftlichen Tätigkeit auf die Sharing Economy umstellen, werden sie damit den Lauf der wirtschaftlichen Entwicklung insgesamt verändern.

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