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Störungen in der Lieferkette: Kurzfristige Lösungen greifen nicht

Störungen in der Lieferkette – egal, ob sie auf menschliche Fehlleistungen oder Naturkatastrophen zurückzuführen sind – nehmen in unserer globalisierten Wirtschaft an Häufigkeit und Intensität zu. Dieses Thema habe ich unlängst auch mit anderen Teilnehmern während des Weltwirtschaftsforums in Davos diskutiert. Lösungen für die vielen Risiken zu finden, mit denen die Lieferketten der heutigen Zeit konfrontiert sind, ist von ganz besonderem und allgemeinem Interesse.

Ich fürchte allerdings, dass nur sehr wenige Unternehmen aus Ereignissen wie der Aschewolke infolge des Vulkanausbruchs in Island oder dem Tsunami in Japan Konsequenzen gezogen haben. Zu viele nehmen einfach Korrekturen an der Lieferkette vor und gehen schnell wieder zur Normalität über. Das ist bei weitem nicht genug. Ich bin überzeugt: Damit sich Störungen im Umfeld nicht nachteilig auf Ihre Lieferketten auswirken, müssen Sie das Problem langfristig angehen.

Selbst wenn Sie ein ausgefallenes Glied in Ihrer Lieferkette ersetzen und so die Störung schnell beheben können: Sie sind dennoch gezwungen, sich mit den Folgen für Ihren Aktienkurs oder den Shareholder Value, für die Kundenbeziehungen und Ihre operative Leistungsfähigkeit auseinanderzusetzen. Mit anderen Worten: Kurzfristige Lösungen sind eben auch nur kurzsichtige Lösungen. Somit benötigen Sie etwas anderes – Sie benötigen eine langfristige Planung. Sie benötigen eine belastbare und robuste Supply Chain.

Systemimmanente Veränderungen

Voraussetzung für eine wirklich belastbare Lieferkette ist aus meiner Sicht die Identifizierung potenzieller Gefahren bereits im Vorfeld. Unternehmen müssen ihren Fokus von einem reaktiven hin zu einem proaktiven Risikomanagement verlagern. Sie müssen sich bereits prophylaktisch auf eine Störung einstellen.

Wie bereiten Sie sich vor? Wie machen Sie Ihre Supply Chain widerstandsfähig?

Zunächst müssen Sie Ihre Reaktionszeit verkürzen. Sie benötigen Flexibilität innerhalb Ihres Unternehmens, um schnell Entscheidungen treffen zu können. Sie benötigen geschulte Mitarbeiter, die eigenständig auf unvorhergesehene Zwischenfälle reagieren können. Dies lässt sich aus meiner Erfahrung nur dann erreichen, wenn Sie eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung in Ihrem Unternehmen einführen, die Ihre Mitarbeiter in die Lage versetzt, Probleme zu erkennen und zu lösen. Mit einer solchen Kultur wird eine Störung bereits in den Anfängen in Angriff genommen und nicht erst nach langwierigen Absprachen und organisatorischen Anpassungen innerhalb Ihres Unternehmens. Wenn Sie von einer Störung betroffen sind, brauchen Sie keinen Expertenausschuss, der das Problem fundiert diskutiert. Sie brauchen eine schnelle Eingreiftruppe, die das Problem unverzüglich anpackt.

Gelegentlich hört man, der Grund für so manche Supply-Chain-Störung sei in der Globalisierung selbst zu suchen. Die Lösung könne aus diesem Grund darin bestehen, den Fokus enger zu fassen und sich auf nur einen Markt oder eine Region zu beschränken. Diese Meinung teile ich nicht. Bei Deutsche Post DHL ist das Gegenteil der Fall – unsere globale Ausrichtung in Kombination mit unserer großen Bandbreite an Lösungen bietet uns vielmehr Schutz vor Störfällen. Wenn der Versand einer Lieferung nicht ab Ort A möglich ist, dann weichen wir eben auf Ort B aus. Globalisierung stellt kein Problem dar, Globalisierung bietet eine ganze Welt an Optionen.

Damit komme ich zum nächsten Punkt. Aus meiner Sicht vernachlässigen viele Unternehmen oftmals eine ausreichende Risikoanalyse. Lieferkettenresilienz setzt jedoch Transparenz und Kontrolle voraus. Sie müssen einschätzen können, wie anfällig Sie für Risiken sind, und Sie müssen über Mechanismen verfügen, mit denen Sie bereits Lösungen an der Hand haben, bevor ein Problem überhaupt erst entsteht. Mit den neuen Kommunikationskanälen und –technologien verfügen wir mittlerweile über Instrumente, mit denen sich die Folgen einer Betriebsstörung so gut begrenzen lassen wie niemals zuvor.

Nicht zuletzt müssen Sie sich bewusst sein, dass Störfälle nicht in einem Vakuum geschehen. Um gegen Störungen gewappnet zu sein, müssen Unternehmen eine vertrauensvolle und konstruktive Beziehung zu ihren Kunden, Mitarbeitern, Investoren und Lieferanten sowie den zuständigen Behörden und sonstigen staatlichen Stellen unterhalten. Nur so lässt sich sicherstellen, dass alle Beteiligten die Situation richtig einschätzen und gemeinsam an einem Strang ziehen. Nur so lassen sich nicht zu Ende gedachte Lösungsansätze vermeiden, die die Folgen einer Störung am Ende möglicherweise gar verstärken.

Ganzheitliche Lösungsansätze

In Anbetracht der zentralen Bedeutung funktionierender Lieferketten freue ich mich, dass unser Unternehmensbereich DHL Supply Chain eine Reihe von White Papers für spezielle Branchen herausgebracht hat. Diese Publikationen bieten unseren Kunden konkrete Hilfestellung, wie sie ihre Supply Chain widerstandsfähiger gestalten können. So geht das White Paper für den Automobilsektor gezielt auf die speziellen Anforderungen der Automobilhersteller ein. Unsere jüngste Publikation beschäftigt sich mit den hochinteressanten Folgen, die ein abrupt geändertes Kaufverhalten der Verbraucher für die Lieferketten im Einzelhandel mit sich bringen kann.

Darüber hinaus haben wir mit DHL Resilience360 ein spezielles Tool für das Supply-Chain-Risikomanagement entwickelt. Dieses Tool schützt den Vertrieb, stellt die Lieferkettenqualität sicher, senkt die mit Störfällen einhergehenden Kosten und ermöglicht die schnelle Wiederaufnahme des normalen Betriebs nach Ende des Störfalls. Um die Widerstandsfähigkeit der Lieferantennetzwerke zu erhöhen, setzt unsere Risikobewertung bei der Abbildung und Visualisierung der gesamten Supply Chain des Kunden an. Sobald mögliche Schwachpunkte in der Lieferkette aufgezeigt und die Resilienz der verschiedenen Standorte bewertet sind, können wir gemeinsam mit unseren Kunden Backup-Pläne entwickeln und geeignete Maßnahmen zur Risikominderung erarbeiten. Das Tool ermöglicht eine ganzheitliche Sicht des gesamten Prozesses und damit langfristige Antworten auf kurzfristige Störungen.

Lieferkettenresilienz geht alle an

Ich bin überzeugt, dass Lieferkettenresilienz wesentlich mehr ist als ein reines Nice-to-have. Ohne funktionierende Lieferketten ist unsere moderne Welt undenkbar. Ein reibungsloses Funktionieren der Lieferketten geht alle an – es ist ureigene Aufgabe eines Logistikunternehmens wie Deutsche Post DHL. Ich werde nicht müde zu betonen: Wir bringen nicht einfach Waren von A nach B. Wir verbinden Menschen und verbessern ihr Leben. Das klappt nur, wenn wir sicherstellen, dass die Lieferketten zu jeder Zeit reibungslos funktionieren.

1 Kommentar

  • BO
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    Lieferkettenresilienz ist das Zweite. Lieferkettenoptimierung ist das Erste. Etwa mal den Seeweg nach Asien focusieren und durch die Schaffung einer Kanalpassage zwischen der Andamanensee und dem Golf von Thailand vermittels Projektierung,Planung und Realisierung einer Großseeschiffspassage in Südthailand (weniger als 50km Kanalisierung erforderlich!)diese zukunftsträchtige Lieferkette um 10% an zeitlichen und energetischen Aufwänden optimiern

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