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Sharing Economy: Logistik neu denken

Uber, Airbnb und Co. haben ganze Branchen auf den Kopf gestellt und unsere Art zu konsumieren verändert. Damit Zugang statt Besitz auch in der Logistik funktioniert, müssen wir unsere Branche neu denken.

Jeder, der schon einmal in ein Uber-Auto statt in ein Taxi gestiegen, bei einem Airbnb-Gastgeber statt im Hotel übernachtet und auf eBay statt im Laden um die Ecke gekauft hat, ist mittendrin statt nur dabei: in der Sharing Economy – der Ökonomie des Teilens, im Gemeinschaftskonsum. Der Gedanke mag noch etwas befremdlich anmuten, doch Fakt ist: Die Sharing Economy hat die Welt nachhaltig verändert und das Wachstumspotenzial dieses neuen Wirtschaftsmodells ist enorm.

PricewaterhouseCoopers hat in einer Studie fünf Branchen mit besonders hohem Wachstumspotenzial für Sharing-Economy-Angebote identifiziert – Reisen, Car-Sharing, Finanzen, Personal und Musik-/Video-Streaming – und schätzt, dass der Umsatz dieser fünf Sektoren allein zwischen 2014 und 2025 von 15 Milliarden auf 335 Milliarden US-Dollar steigen wird.

Gedanke des Teilens in der Logistik nicht neu

Wie sieht es aber in der Logistik aus? Der Gedanke des Teilens ist auch hier nicht neu. Als damals noch junges Unternehmen bot DHL beispielsweise Privatreisenden ein kostenloses Flugticket, wenn sie dafür ihr Freigepäck an DHL abtraten, damit wichtige Frachtdokumente schneller transportiert werden konnten. Da so der Originalfrachtbrief bereits vorlag, noch bevor das Containerschiff in den Hafen einlief, war die Zollabwicklung schneller erledigt – der Grundstein für die Expresslogistik war gelegt.

Auch heute transportieren Speditionen eigentlich nicht selbst, vielmehr wissen sie das weitverzweigte Netz der Logistik für ihre Kunden effizient zu nutzen. Doch obwohl das Speditions- ein Dienstleistungsgeschäft ist, ist das Geschäftsmodell ein sehr klassisches, in dem die Sharing Economy noch keinen Einzug gehalten hat.

Neue Technik, neue Werte

Wie bereits in der Hotellerie, im Transportwesen, im Einzelhandel und der Unterhaltungsbranche werden technischer Fortschritt und soziale Trends auch in der Logistik neue Möglichkeiten des Teilens schaffen. Die Verfügbarkeit des mobilen Internets und neue Werte haben unsere Art zu konsumieren verändert. Das Smartphone ist immer und überall dabei, die mobile Technik leistungsstärker denn je. Unkompliziert soll es sein, wenn wir konsumieren, und am besten sofort, aber auch umweltfreundlich. Die ersten Digital Natives werden erwachsen – sie werden die Nachfrage weiter steigern und diese Trends noch beschleunigen. Teilen statt Besitzen wird zum Alltag.

Online-Plattformen für die Sharing Economy und gemeinschaftlicher Zugang zu Eigentum haben einen Nerv getroffen und die Spielregeln der Geschäftswelt verändert. Ständig schießen neue Unternehmen und Geschäftsmodelle aus dem Boden. Hotelgewerbe und Transportwesen stehen bereits Kopf und weder Personalwesen noch Schwerindustrie – noch Logistik – werden sich diesem Trend entziehen können.

Ökonomie des Teilens in der Logistik

Wer genau hinsieht, kann bereits erkennen, wie sich auch in der Logistikbranche der Wandel abzeichnet. Wie eine Zukunft aussehen könnte, in der nicht mehr der Besitz an etwas zählt, sondern der Zugang dazu, zeigen reale und potenzielle Anwendungsbeispiele.

Mit einem gemeinschaftlich genutzten Warenlager können bei gleichzeitiger Produktivitätssteigerung Leerflächen und Kosten gesenkt werden. Bei für mehrere Kunden betriebenen Warenlagern, wie sie heute schon gang und gäbe sind, konsolidiert der Betreiber Nachfrage, Fulfillment und Logistikexpertise und generiert darüber größere Skaleneffekte. Da die Kunden jedoch häufig mehr Flächen mieten, als sie tatsächlich benötigen, gestaltet sich die Flächenallokation häufig unflexibel und ineffizient. Hier können Sharing-Economy-Plattformen und moderne Bestandsmanagement-Tools eine bislang ungekannte Transparenz und Dynamik schaffen, durch die sich für Warenlagerbetreiber die Möglichkeit bietet, ungenutzte Flächen zu vermarkten. Genau eine solche Plattform hat DHL Supply Chain mit DHL Spaces geschaffen.

Das Aufkommen der Online-Frachtenbörsen hat das Interesse an der gemeinschaftlichen Nutzung von Transportkapazitäten geweckt – und damit den chronisch ineffizienten Straßengüterverkehr wachgerüttelt. Bislang fährt jeder vierte Lkw in den USA und der EU leer. Und selbst bei beladenen Lkw werden im Durchschnitt nur knapp über 50 % der Kapazität genutzt. Berücksichtigt man dann noch die durch Stau, Verladung, papiergestützte Kommunikation und Dokumentation etc. anfallende Standzeit wird schnell klar: Moderne Technologien und Sharing Economy sind hier längst überfällig. Mittlerweile finden sich einige Online-Frachtplattformen im Markt, darunter saloodo! von DHL für den Straßengüterverkehr in Europa, Freightos, Convoy und Loadsmart in den USA. Diese Dienste setzen auf mobile Technologien, um Daten und Nachrichten zwischen Transporteur und Versender in Echtzeit zu übermitteln und so Sendungen und Ladeflächen zusammenzubringen.

Zeit zum Umdenken

Dies sind nur zwei aus vielen Beispielen, die in unserem neuen Trendreport „The Sharing Economy in Logistics – Rethinking logistics with access over ownership“ vorgestellt werden, der unter anderem mit Best-Practice-Beispielen aus anderen Branchen in dieser neuen Welt eine Orientierungshilfe bietet.

Die Welt ist im Wandel und sie wandelt sich schnell. Um nicht den Anschluss zu verlieren, müssen wir zum einen verstehen, woher diese neuen Geschäftsmodelle kommen, und zum anderen Innovation schätzen. Der Blick auf die Branchen, die die Ökonomie des Teilens bereits verinnerlicht haben, und auf die Innovatoren der Logistikbranche, die ebenfalls bereits von der Sharing Economy profitieren, kann dabei helfen.

Durch technischen Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklungen haben sich für die Lieferketten der Zukunft viele Möglichkeiten der Wertschöpfung ergeben. Es ist Zeit umzudenken. Es ist Zeit, unsere Branche neu zu sehen – und Zugang statt Besitz auch in der Logistik zu verankern.

Studie „Sharing Economy Logistics“
DHL-Report zeigt: Sharing Economy bringt Logistikbranche in Bewegung

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