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Lebensmittel-Onlinehandel – eine Bestandsaufnahme

Für die meisten von uns ist der Einkauf über das Internet aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Egal, ob abends auf der Couch oder tagsüber in der Bahn, onlinegeshoppt wird in Deutschland immer und überall. Dabei gibt es letztlich fast nichts mehr, was nicht auch im Netz verfügbar ist.

Das zeigen auch die Zahlen: In Deutschland verzeichnete der Distanzhandel 2016 über das Internet einen Umsatz von rund 52,7 Mrd. Euro1 – Tendenz steigend. Doch so sehr deutsche Konsumenten den Kauf im Internet schätzen, nicht alle Produkte landen gleichermaßen im Online-Warenkorb: „Nachzügler“ sind Möbel, große Technikgeräte wie z. B. Fernseher und Kühlschränke – und erst recht Lebensmittel. Aktuell werden lediglich rund ein Prozent aller verkauften Nahrungsmittel in Deutschland online eingekauft.

Hohes Wachstumspotenzial für E-Food

Wird sich das in Zukunft ändern? Ich meine ja. Wir haben es mit einem Markt mit großem Potenzial und hoher Dynamik zu tun: In Deutschland werden jedes Jahr Lebensmittel im Wert von rund 200 Mrd. Euro verkauft. 2016 kauften 19 Prozent der Deutschen Lebensmittel im Internet. Schaut man sich mit Großbritannien einen vergleichbaren E-Commerce-Markt an, kaufen dortige Kunden bereits heute fast 10 Mal häufiger Lebensmittel online2 – mit stark wachsender Tendenz.

Und: Der Markt ist in Bewegung. Neue Anbieter unterschiedlicher Größenordnung gehen mit Lebensmittel-Onlineangeboten an den Start. Mit dem Marktstart von Amazon Fresh in Deutschland ist nun auch der weltweit größte Online-Händler vertreten. Entwicklungen dieser Art sind wichtig. Jeder weitere Anbieter gibt dem Markt neue Impulse, fördert die Aufmerksamkeit der Konsumenten und weckt letztlich bei noch mehr Kunden den Wunsch, Lebensmittel online zu bestellen. Davon profitieren aktuell noch die meisten Anbieter, denn das Wachstumspotenzial ist enorm. Längst noch können genügend Stücke vom Kuchen verteilt werden, so dass alle Player im „E-Food-Markt“ davon satt werden.

Die Besonderheiten von E-Food und der entsprechenden Logistik

Warum hinkt der Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln im Vergleich zum sonstigen E-Commerce aktuell noch hinterher? Warum werden Lebensmittel vornehmlich im stationären Handel gekauft? Aus meiner Sicht gibt es dafür drei wesentliche Gründe. Erstens: Viele Konsumenten in Deutschland möchten die Lebensmittel, die sie kaufen, vorher anfassen und prüfen. Das ist online natürlich nicht möglich.

Zweitens: Viele Menschen gehen Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs persönlich einkaufen ­ aus Gewohnheit. Vor allem in Ballungsgebieten ist die Dichte von Supermärkten hoch. Warum also nicht kurz um die Ecke gehen und noch ein Toastbrot kaufen und mit dem Gemüsehändler die Neuigkeiten aus der Nachbarschaft austauschen, anstatt das Tablet zu bemühen.

Drittens: Viele Konsumenten in Deutschland sind sehr preissensitiv. Wer über Jahrzehnte gelernt hat, das Pfund Butter dort zu kaufen, wo es gerade am günstigsten ist oder den Preis für einen Liter Milch zur Basis für die Wahl des Händlers zu machen, der scheut Versandkosten und Mindestbestellwerte.

Showstopper? Ich denke nein: Durch hohe Qualitätsstandards bei der Produktauswahl können Online-Lebensmittelhändler die Selektion durch den Kunden überflüssig machen und optimale Qualität anbieten. Für den Fall, dass ein Produkt nicht den Vorstellungen des Kunden entspricht, lassen sich kulante Umtausch- und Erstattungsprozesse finden. Und Einkaufsgewohnheiten können sich ändern – das zeigen die vielen Segmente, in denen der Online-Einkauf längst zur Routine geworden ist. Ein wesentlicher Erfolgsaspekt von E-Commerce ist die hohe Bequemlichkeit: Ich muss nicht das Haus verlassen, keine Umwege einplanen oder an der Kasse in der Schlange stehen. Transparente und vergleichbare Preise, ein effizientes Fulfillment in Darkstores, durch das sich bei gleicher Marge Versandkosten – zumindest teilweise – kompensieren lassen, sind hier die Schlüssel zum Erfolg.

Ich teile daher die Meinung vieler Experten, dass künftig immer mehr Menschen bei der Abdeckung ihres Grundbedarfs vermehrt auf den Kauf im Internet setzen.3

Handel und Logistiker müssen ihre Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln.

Ein Selbstläufer ist das allerdings nicht. Handel und Logistiker müssen ihre Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln: Bei Lebensmitteln kommt es in noch höherem Maße als bei anderen Warengruppen darauf an, dass sie frisch beim Empfänger ankommen. Für den Händler bedeutet dies z. B., dass er bei der Warenbeschaffung und -lagerung sowie bei der Versandvorbereitung auf die Einhaltung der Kühlkette achten muss, um frühe Qualitätseinbußen zu vermeiden und zeitlich auf die geplante Lieferung abstimmt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die richtige und passende Verpackung: Zum einen müssen die zerbrechlichen und verderblichen bzw. empfindlichen Produkte gut geschützt werden. Zum anderen gilt es, große Mengen an Verpackungsmüll zu vermeiden, die ansonsten für Unmut beim Kunden sorgen, zusätzliche Kosten für den Versender bedeuten und die Umwelt belasten. Gar nicht so einfach, wenn dann auch noch ungekühlte, gekühlte und sogar tiefgekühlte Lebensmittel in einer Lieferung stecken. Eine Lösung dafür ist die DHL Multibox – ein Transportkonzept, das DHL Paket seit einigen Jahren (weiter-) entwickelt und unter anderem beim DHL-eigenen Online-Supermarkt Allyouneed Fresh zum Einsatz kommt. So können Lebensmittel mit unterschiedlichen Temperaturanforderungen sicher und unbeschadet zum Kunden gebracht werden.

Auf Seiten des Logistikers besteht die Hauptaufgabe darin, den Abholprozess mit dem Versender zu synchronisieren und die Bestellung schnell und zuverlässig an den Empfänger zu übergeben. Neben der Schnelligkeit der Lieferung und der Unversehrtheit der Waren, ist den Kunden auch die zeitlich exakte – und damit für sie frühzeitig planbare – Zustellung wichtig:

  • 63% wollen die Zustellzeiten schon während des Bestellvorgangs angeben.
  • 85% der Kunden wollen den Liefertag selbst bestimmen.
  • 78% wollen das Zeitfenster für die Zustellung wählen.4

Darüber hinaus müssen Logistiker passende Services und Dienstleistungen anbieten, etwa die Rückgabe von Leergut. Andernfalls wird der Online-Einkauf von Lebensmitteln nicht als überzeugende Alternative zum Einkauf im stationären Handel angesehen.

Durch unser Tochterunternehmen Allyouneed Fresh ­ am Markt seit 2011 ­ haben wir seit Jahren die Möglichkeit, wertvolle und umfangreiche Erfahrungen in der Lebensmittellogistik zu sammeln und diese für die Entwicklung von Lösungsangeboten zu nutzen. Diese Logistikleistungen stellen wir aber natürlich auch anderen Online-Lebensmittelhändlern zur Verfügung.

Die Zukunft des Lebensmittel-Onlinehandels

Wie geht es weiter mit E-Food? Wir als DHL sind fest davon überzeugt, dass die Lebensmittelbranche in Deutschland vor einem Umbruch steht. Wir rechnen damit, dass der Onlinehandel von Lebensmitteln in absehbarer Zeit signifikant wachsen wird. Ich halte es sogar für möglich, dass wir bis 2022 eine Verfünffachung des Umsatzes für online verkaufte Lebensmittel in Deutschland sehen werden. Ein relevantes Wachstum, wenn man berücksichtigt, dass jedes einzelne Prozent dabei rund zwei Mrd. Euro Umsatz entspricht. Aus diesem Grund entwickeln wir stetig neue und innovative Lösungen, um Versendern wie Empfängern das Leben zu erleichtern. Denn die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten steigt, das merken wir deutlich.

Haben Sie selbst schon mal online Lebensmittel bestellt? Ich freue mich über einen regen Austausch zu Ihren Erfahrungen.

Informationen zum Angebot von DHL Paket unter www.dhl.de/lebensmittelversand

1 https://www.bevh.org/presse/pressemitteilungen/details/datum/2017/februar/artikel/stabiles-wachstum-begruendete-prognose-und-aussichtsreiche-perspektive-jahrespressegespraech-2017/
2 AT Kearny: Online Food Retailing, 2016
3 https://www.rewe-group.com/de/newsroom/stories/interview-omnichannel-andreas-conrad/
4 DHL Paket: Customer Journey Studie, 2016

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