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Myanmar – ein Tiger erwacht

Die vier ersten – Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur – gehören inzwischen zu den reichsten Nationen der Welt. Vielen gelten heute Indonesien, Vietnam, Thailand, die Philippinen und Malaysia als die neuen Tiger.

Und Myanmar?

Eine spannende Frage – und das sage ich nicht nur, weil ich CEO für die Region Asien-Pazifik bei DHL Global Forwarding bin und wir kürzlich ein eigenes Büro in Myanmar eröffnet haben. Jedes zukunftsorientierte Unternehmen, das in der Region tätig ist, sollte sich diese Frage stellen.

Angesichts der Entwicklungen während der vergangenen drei Jahre hat die Frage eine hohe Relevanz. Zur Erinnerung: Die jahrzehntelange Militärherrschaft in Myanmar wurde beendet und demokratische Reformen eingeleitet. Es wäre jedoch falsch, dies als Wendepunkt für die Wirtschaftsbeziehungen zu betrachten. Es gibt immer noch große Herausforderungen.

Ein Tiger erwacht aus seinem Schlummer

Das Potenzial ist dennoch vorhanden. Warum? Mit 60 Millionen Einwohnern steht Myanmar gemessen an der Bevölkerungszahl weltweit auf Rang 24. Es ist die zweitgrößte Nation in Südostasien und die Nummer 40 weltweit. Bedenkt man zudem die gewaltigen Bodenschätze des Landes, so kann eine der jüngsten Demokratien der Welt zu einer der größten Wirtschaftsnationen der Region heranwachsen.

Aber Myanmar war viele Jahre lang politisch isoliert – Gesellschaft und Wirtschaft haben unter den internationalen Sanktionen gelitten. Das Land stand in vielerlei Hinsicht still, während seine Nachbarn – China, Indien, Thailand, Bangladesch und Laos – enorme Fortschritte machten. Meines Erachtens wartete dieser asiatische Tiger nur darauf, geweckt zu werden.

Die internationalen Sanktionen wurden vor zwei Jahren aufgehoben, nachdem Myanmar erste Schritte in Richtung Liberalisierung gemacht hatte. Die lange brachliegende Wirtschaft erwacht nun zum Leben. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderer Stellen führt das Land umfangreiche Reformen durch, um den Aufbau einer modernen Wirtschaft voranzutreiben. Doch dazu müssen zunächst die erforderlichen Tools, Systeme und Institutionen aufgebaut werden. Erst kürzlich hat Myanmar ein Gesetz verabschiedet, das seiner Zentralbank Autonomie verleiht.

Erste Fortschritte durch boomende Öl- und Energiebranche und Infrastruktur

Der Tiger reibt sich noch den Schlaf aus den Augen, ist aber schon auf dem Sprung. Das BIP ist 2012/13 um 6,5 Prozent gestiegen – hauptsächlich aufgrund der Gasproduktion, Bautätigkeit und der Fortschritte im Dienstleistungssektor. Damit gehört Myanmar eindeutig in die Kategorie der rasch wachsenden Schwellenländer.

Die Sanktionen wurden aufgehoben – jetzt wollen viele Unternehmen in Myanmar investieren. Dabei werden wir oft um Rat gefragt. Wenig überraschend: Viele dieser Unternehmen kommen aus den derzeit boomenden Industriesektoren Öl Energie, Bauwesen und Infrastruktur. Aber auch Firmen aus der FMCG (Fast Moving Consumer Goods)-Branche – wie Mode- und Bekleidungshersteller – erkunden den Markt. Die relativ gesehen höheren Lohnkosten und kürzlichen Probleme im Bekleidungssektor in Nachbarländern machen Myanmar zu einem attraktiven Produktionsstandort. Bekleidungshersteller zeigen sich interessiert – dies gilt insbesondere für Unternehmen aus dem EU-Raum, die zollfreien Zugang haben. Aber viele werden durch der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, die hohen Anforderungen für Import-/Exportlizenzen und die schlechte Infrastruktur abgeschreckt.

Der Handel innerhalb der ASEAN-Länder nimmt auch zu, und Myanmar profitiert von diesem Zuwachs. Weitere Impulse bringt das vor kurzem zwischen ASEAN und China geschlossene Freihandelsabkommen. Chinesische Unternehmen investieren in Myanmar, und ich habe eine starke Zunahme des Handels zwischen den beiden Ländern beobachtet.

Auch Investitionen im Konsumsektor gewinnen an Dynamik. Coca-Cola produziert bereits als Partner in einem Joint Venture in Myanmar, und der südkoreanische Getränkehersteller Lotte Chilsung Beverage Co hat mit Myanmar Golden Star (MGS) Beverage Co ein Joint Venture geschlossen. Gemeinsam füllen sie Softdrinks ab, darunter Pepsi, und vertreiben diese in Myanmar. Nestle und Unilever haben auch Büros im Land eingerichtet.

Den Telekommunikationssektor sollte man ebenfalls im Auge behalten. Er bietet meiner Meinung nach ein enormes Marktpotenzial. Eine Reihe großer Telekommunikationsunternehmen haben bereits den Betrieb aufgenommen.

Myanmar verändert sich rasant — und deshalb sind wir auch vor Ort. Wir stellen unsere Kompetenz im Bereich aufstrebende Märkte zur Verfügung und helfen anderen Ländern, diesen Sprung ebenfalls zu machen. Wir wollen als erste da sein und den Kunden die Logistikleistungen und die Unterstützung bieten, die sie erwarten, wenn sie zum Beispiel einen Produktionsstandort aufbauen.

Ist der Tiger bereit für das Erwachen?

Myanmar bereitet sich auf weitere Reformen vor. Diese Entwicklung wird nicht einfach sein – aber das gilt für alle aufstrebende Märkte. Ein Grund hierfür ist die Straßen- und Hafeninfrastruktur außerhalb der großen Städte. Diese steckt bestenfalls noch in den Kinderschuhen und stellt für den Transport innerhalb des Landes eine große Herausforderung dar.

Es gibt jedoch auch eindeutige Zeichen für Entwicklung. Myanmar investiert in Infrastruktur, baut Häfen aus und plant einen neuen Flughafen in Yangon. Neue Wirtschaftszonen wurden errichtet, und Mandalay wurde als Logistik-Drehkreuz ausersehen. Viele weitere wirtschaftsfreundliche Konzepte wurden eingeführt. Ausländische Investitionen sollen weiter vereinfacht werden und dürften dann auch zunehmen. Die Wahlen in 2015 werden ein wichtiger Meilenstein für die weitere Entwicklung des Landes sein.

All diese Maßnahmen stärken das Vertrauen und ziehen Investoren an. Unternehmen aus China, Japan, Korea und Thailand investieren bereits mehr als europäische. Und der IWF hat seine Wirtschaftsprognose für dieses Jahr kürzlich um 6,8 Prozent angehoben. Es herrscht also sicherlich eine positive Stimmung.

Vor zehn Jahren hätten wir uns ein solches Wachstum noch nicht einmal vorstellen können. Ich bin überzeugt, dass das Land in den nächsten zehn Jahren noch schneller wachsen wird. Myanmar ist ein großer erwachender Tiger – und wir wollen an diesem außergewöhnlichen Erfolg teilhaben.

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