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Mehr Wohlstand durch mehr Vernetzung

Auszug aus einem Namensbeitrag von Frank Appel über das Abkommen von Bali im Handelsblatt vom 18. Dezember 2013:

Der 7. Dezember 2013 war ein guter Tag für die Weltwirtschaft. Nach jahrelangem Ringen haben sich die Delegierten der in der World Trade Organisation (WTO) vertretenen 159 Staaten auf Bali in einer historischen Vereinbarung auf umfassende und tief greifende Erleichterungen im globalen Handel geeinigt.

Die Einigung belegt zweierlei: Die WTO hat damit ihre Handlungsfähigkeit bewiesen. Und die Weltgemeinschaft hat den eindeutigen Willen gezeigt, ihre Differenzen zu überwinden und den globalen Wohlstand sowie Teilhabe für alle ganz oben auf die Agenda zu setzen. Überdies setzt das Abkommen einen starken psychologischen Gegenpunkt zur Finanz- und Staatsschuldenkrise sowie zur Angst vor neuem Protektionismus.

Globaler Wohlstand und Teilhabe aller indes kommen nicht von allein. Sie gedeihen besonders gut auf dem Nährboden einer internationalen Vernetzung. Der DHL Global Connectedness Index zeigt, dass der Grad der globalen Vernetzung mit der Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes korreliert und stark vernetzte Länder somit mehr Wachstum und damit mehr Wohlstand genießen. Europa und in seiner Mitte die Exportnation Deutschland sind eindrucksvolle Erfolgsbeispiele dafür. Europa ist die am stärksten vernetzte Region weltweit und dominiert das Top 10 Ranking der weltweit am stärksten vernetzten Volkswirtschaften.

Die Europäische Union hat früh – sozusagen als Pionier – den Grundsatz der Freizügigkeit von Waren, Dienstleistungen, Kapital sowie Arbeitskraft auf ihre Fahnen und damit eine historische, bis heute andauernde Erfolgsgeschichte geschrieben. Die EU und die gemeinsame Währung, der Euro, sind es wert, für sie zu kämpfen. Denn sie sind die Basis für den Wohlstand in Europa. Die Stärke dieses Kontinents basiert ganz wesentlich auf Wachstum. Mehr, nicht weniger Globalisierung ist daher gerade aus europäischer Sicht das Gebot der Stunde.

Doch ist die Welt ist noch längst nicht so globalisiert, wie viele gerne glauben möchten. Das Gegenteil ist der Fall: Die Weltgemeinschaft ist heute weniger vernetzt als noch im Jahr 2007. Laut DHL Global Connectedness Index finden rund 60 Prozent des internationalen Austauschs nur innerhalb von Regionen oder Kontinenten statt. Bei Handel, Kapitalströmen und Informationsaustausch liegt der Globalisierungsgrad meist unter 20, oft sogar unter zehn Prozent.

Weiterhin bestehende Handelsgrenzen müssen beseitigt werden, sie behindern die wirtschaftliche und damit auch die gesellschaftliche Entwicklung vieler Staaten. Mit dem Bali-Abkommen haben die Delegierten die Weichen für freieren Handel und besseren Marktzugang rund um den Globus gestellt.

Auch in Europa selbst ist es noch ein langer Weg hin zur vollständigen Umsetzung des Binnenmarktes. So gilt es etwa, Restriktionen wie das Kabotage-Verbot im Güterverkehr zu beseitigen, bürokratische Hemmnisse bei Zoll und Sicherheit abzubauen und die Stärken aller Verkehrsträger für eine nahtlos vernetzte Infrastruktur und klimaeffiziente Mobilität zu nutzen.

Logistik ist ein starker Hebel. Sie schafft die nötige Infrastruktur, verbindet Märkte und Menschen – sie macht gelebte Globalisierung erst möglich. In Europa ist die Logistik mit einem potentiellen Marktvolumen von rund 900 Milliarden Euro und mehr als sieben Millionen Arbeitsplätzen die größte Branche.

In diesem Zusammenhang ist das Bali-Abkommen ebenfalls wegweisend: Mit der Vereinfachung von Handels- und Zollbestimmungen wurden wichtige Weichen auch für die Logistik gestellt. Der Abbau bürokratischer Hindernisse ist ein Meilenstein, um grenzüberschreitende Lieferketten zu vereinfachen.

Aber: Der Geist von Bali darf keine Eintagsfliege sein. Es ist nun Aufgabe der Politik, nationale Egoismen dauerhaft zu überwinden und damit die Teilhabe aller Menschen an Entwicklung und Wohlstand zu ermöglichen. Das Momentum muss genutzt werden, um Großprojekte wie das transatlantische Handels- und Investitionsabkommen sowie die schon tot geglaubte „Doha-Runde“ der WTO – dort sollen unter anderem Entwicklungs- und Schwellenländer betreffende Handelsfragen geklärt werden – mit neuer Entschlusskraft anzugehen.

Das Erfolgsrezept der Zukunft lautet: Mehr Wohlstand durch mehr Vernetzung. Eines ist klar: Bali kann nur ein Anfang sein.

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