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Logistik als Stimmungsindikator für den Welthandel

In einer volatilen und unsicheren Welt kann die Logistikindustrie helfen, den weltweiten Handel und die globale Wirtschaft transparenter und berechenbarer zu machen – durch vorausschauende Analysen großer Mengen von Logistikdaten.

Der globale Handel ist der Motor, der die Weltwirtschaft antreibt. Und wenn die Welt handelt, wächst nicht nur die Wirtschaft. Ideen verbreiten sich, Gemeinschaften wachsen zusammen und das Leben der Menschen verbessert sich.

Sowohl kleine als auch große Unternehmen treiben so viel Handel wie nie zuvor. Noch immer fehlt es an Vereinbarungen über Handelserleichterungen und dem entschlossenen Abbau regulatorischer Hürden. Doch rund um die Welt ermöglichen umfassende und agile Logistiknetzwerke den ungehinderten und schnellen Austausch dringend benötigter Waren, Technologien und Innovationen. Ob sich dieser Trend so fortsetzt, ist schwer zu sagen: In einer zunehmend volatilen und unberechenbaren Welt ist es kaum mehr möglich, von den Entwicklungen der Vergangenheit auf künftige Trends zu schließen.

Das Potenzial der künstlichen Intelligenz nutzen

Hätten Sie gedacht, dass die Import- und Exportdaten für einige Vorprodukte und frühzyklische Güter – beispielsweise Textiletiketten für Kleidung, Stoßstangen für Autos oder Touchscreens für Mobilgeräte – eine gute Grundlage für verlässliche Prognosen zur Entwicklung des Welthandels sein könnten? Bis vor kurzem wären Sie vielleicht skeptisch gewesen. Ökonomen analysieren zwar seit vielen Jahren – mit einigem Erfolg – den weltweiten Seehandel als Indikator des globalen Wachstums. Diese Daten sind jedoch seit jeher nur begrenzt aussagekräftig. So wird zum Beispiel der Baltic Dry Index von den Analysten inzwischen nicht mehr so gerne als Handelsbarometer herangezogen wie früher, weil die Frachtraten zuletzt stärker von den Kapazitätsüberschüssen auf den Weltmeeren bestimmt wurden als von der Warennachfrage. Durch die jüngsten Fortschritte in der Digitalisierung – Stichworte künstliche Intelligenz, Big Data und Predictive Analytics – eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, von Daten zur Luft- und Seefrachtlogistik auf künftige Trends im Welthandel zu schließen. Aus der vorausschauenden Analyse von Import- und Exportdaten für einige Vorprodukte und frühzyklische Güter – beispielsweise Textiletiketten, Stoßstangen oder Touchscreens– lassen sich tatsächlich verlässliche Prognosen zur Entwicklung des Welthandels ableiten.

Der globale Handel ist der Pulsgeber der Weltwirtschaft.

Genau das ist das Ziel des DHL Global Trade Barometer (GTB), eines neuen und einzigartigen Frühindikators für die aktuelle und künftige Entwicklung des Welthandels, der auf diese fortschrittlichen Technologien zurückgreift. Der von Deutsche Post DHL Group in Zusammenarbeit mit Accenture entwickelte Index misst den realen Handel mit Vorprodukten und frühzyklischen Gütern, um daraus Prognosen für die künftige Entwicklung des globalen Handels abzuleiten. Da der Welthandel der Motor der Weltwirtschaft ist, dient das GTB nicht nur als Indikator der aktuellen Lage der Weltwirtschaft, sondern kann auch Wendepunkte im Handel antizipieren und wertvolle Einblicke in kurzfristige Entwicklungen geben.

Ein Bottom-up-Barometer

Das DHL Global Trade Barometer speist sich aus den aggregierten Handelsdaten für Luftfracht und Container-Seefracht in China, Indien, Japan, Deutschland, Südkorea, den USA und Großbritannien. Diese sieben Länder vereinen den Löwenanteil – über 75 Prozent – des Welthandels auf sich. Die großen Mengen an hochwertigen Marktdaten aus der Luft- und Container-Seefracht erhöhen die Prognosegüte dieses Instruments.

Das DHL Global Trade Barometer zeigt eindrucksvoll, welche Chancen uns die Digitalisierung eröffnet.

Mit Hilfe von predictive Analytics und Big Data werden diese Datenmengen ausgewertet und zu einem Indexwert für jedes der untersuchten Länder und die Weltwirtschaft verdichtet. Die so errechneten Werte reflektieren die Luft- und Container-Seefrachtlieferungen in und aus diesen sieben Ländern. Der Indexwert entspricht dem gewichteten Durchschnitt des aktuellen Wachstums und dem der nächsten zwei Handelsmonate.

Bis Januar 2012 zurückreichende Testreihen haben eine hohe Korrelation zwischen dem GTB und der tatsächlichen Entwicklung des Handels gezeigt. Da die Lieferketten naturgemäß einigen Vorlauf vor der Produktion und letztlichen industriellen Wertschöpfung haben, können wir das Barometer nutzen, um verlässliche Prognosen zu den Handelsströmen der nächsten drei Monate zu entwickeln.

Neue, fundierte Einblicke und mehr Transparenz

Neben den allgemeinen Aussagen über den Welthandel lassen sich aus dem DHL Global Trade Barometer auch weitergehende Erkenntnisse zu spezifischen Fragestellungen ableiten. Indem wir internationale Lieferketten herunterbrechen, erhalten wir detaillierte Einblicke in Regionen und Länder, Sektoren und Industrien sowie makroökonomische Faktoren. Welche Länder und Regionen treiben den Welthandel an? Welche Sektoren schneiden aktuell besser ab und welche sind rückläufig? Das GTB beantwortet alle diese – und noch mehr – Fragen.

Von der größeren Transparenz und Berechenbarkeit in einer volatilen und unsicheren Welt werden viele profitieren. Ökonomen erhalten Zugriff auf verlässlichere Daten, die in die Prognosemodelle von Banken, Verbänden und Wirtschaftsforschungsinstituten einfließen können. Logistikkunden können ihre Geschäftsabläufe optimieren, ihre Kapazitätsplanung verbessern und neue Geschäftschancen identifizieren. Natürlich wird das Barometer auch DHL selbst zugutekommen – als leistungsfähiges Instrument für die Ressourcenplanung, vor allem in meiner Division – DHL Global Forwarding, Freight –, aber auch bei DHL Express und DHL Supply Chain.

Als weltweit führender Logistikanbieter weiß DHL sehr genau, welche Triebfedern den globalen Handelsströmen zugrunde liegen. Außerdem verfügen wir über das entsprechende Know-how, um Marktdaten auszuwerten und zu interpretieren. Mit unserem Netzwerk, unseren Spezialisten und unserer Branchenerfahrung ist DHL prädestiniert, aus der Analyse globaler Lieferketten Prognosen für die Entwicklung des Welthandels abzuleiten. Das DHL Global Trade Barometer zeigt eindrucksvoll, wie uns die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten eröffnet, die Logistik als Indikator für den Welthandel zu nutzen.

Das erstmals im Januar 2018 veröffentlichte DHL Global Trade Barometer zeigt an, dass der Welthandel sein Wachstum in den nächsten drei Monaten fortsetzen wird. Der Indexwert von 64 für Januar deutet auf ein sehr hohes Wachstumsniveau hin, ist aber etwas hinter die Werte der Vormonate zurückgefallen. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass sich die Aussichten für den deutschen und US-amerikanischen Handel eingetrübt haben – ein Entwicklung, die nur teilweise durch einen verbesserten Ausblick für Indien ausgeglichen werden konnte. Die Januar-Ergebnisse des DHL Global Trade Barometer finden Sie hier.

3 Kommentare

  • Data and analytics have had a profound effect on the industry. Not everyone has the resources to mine the data for insights, which is why reports like this one are important.

  • Ted Chung
    Mehr anzeigen

    I learned that China is reducing appetite for industrial raw materials from the DHL GTB as of January 2018. This is literally in line with the general market outlook. But GTB data are aggregated from containerized ocean freight, and actually China imported major industrial bulk commodities like iron ore and coal with bulk carriers, could this mislead the evaluation?

    • Delivering Tomorrow Team

      The majority of raw material imports are indeed shipped by bulk carriers that are not reflected by the GTB. However, also containers contain a significant proportion of raw materials. Those are currently reduced that causes moderating Chinese GTB overall.

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