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Ich glaube an die Zukunft Europas.

Wenn in diesen Tagen über Europa diskutiert wird, dann verengt sich der Blick leider oft auf die Staatsschuldenkrise vor allem in den südlichen Mitgliedsländern. Aus meiner Sicht kommt die Erfolgsgeschichte Europas als Garant von Frieden und Stabilität vielfach ebenso zu kurz wie das große Potenzial der Region, diese Erfolgsgeschichte politisch und wirtschaftlich weiter fortzuschreiben.

Wir müssen den historischen Erfolg Europas in ein Zukunftsprojekt überführen, das neben Schuldenabbau und Haushaltsdisziplin auch eine wirtschaftliche Langfristvision beinhaltet. Aufbauend auf der hohen Technologiekompetenz, insbesondere im Bereich des Klimaschutz, und dem hohen Bildungsstand der Europäerinnen und Europäer kann unsere Wirtschaft zur innovativsten, ressourceneffizientesten und damit nachhaltigsten Wirtschaft der Welt werden.

Ich sehe große Chancen für einen neuen europäischen Aufbruch. Ihn zu realisieren verlangt aber ein großes Transformationsprogramm, das auch auf Haushaltsdisziplin, Strukturreformen in den Mitgliedsstaaten und Harmonisierung der Fiskalpolitik aufbauen muss. Das wird nicht über Nacht geschehen und große gemeinsame Anstrengungen bedeuten. Aber ich bin zuversichtlich, dass Europa gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen wird.

Kürzlich habe ich mich auch am Rande des WELT-Wirtschaftsgipfels 2013 in zur Zukunft Europas geäußert. Für mich war es erfreulich bei dieser Gelegenheit zu hören, dass viele Kollegen ebenfalls von der Zukunft Europas und des Euros überzeugt sind.

Auszüge aus einem Interview mit Frank Appel über die Zukunft Europas in der Tageszeitung „Die Welt“ vom 17. Januar 2013:

„Es wird länger dauern, bis wir die Staatshaushalte wieder im Lot haben. Wenn ein Problem über 30 Jahre hinweg entstanden ist, dann löst sich das nicht in drei, vier Jahren. Wir müssen uns darauf einstellen, dass Europa eine längere Phase des relativ geringeren Wachstums sehen wird.

Es ist naiv anzunehmen, dass man die Probleme der Staatshaushalte mit nur einer Maßnahme und rasch lösen könnte. Man muss davon ausgehen, dass das lange dauert. Die europäischen Regierungen haben gut daran getan, sich Zeit zu lassen und Themen gewissenhaft abzuarbeiten.

In den Gründerjahren der Europäischen Gemeinschaft hatte man die Erfahrung eines Krieges vor Augen. Es war einfach zu sagen, was man wollte: nämlich einen weiteren Krieg vermeiden. Dasselbe galt für die Zeit des Kalten Krieges. Da wollte man die westliche Wertegemeinschaft schützen. Was uns momentan fehlt, ist ein Positivbild. Wo soll dieser Kontinent hin? Wo und wie möchte Europa einen Wertbeitrag leisten? Würden wir klar formulieren, was wir in zehn, 20 Jahren sein wollen, könnten wir auch leichter Kurs halten.

Ich glaube an die Vision eines föderalen Staats Europa.

Fakt ist, dass in den vergangenen drei Jahren die Haushaltsdefizite in Europa zurückgefahren wurden. Und die Maßnahmen der EZB haben den Regierungen die nötige Zeit dafür verschafft. Das ist positiv, für die Länder und für die Wirtschaft und damit auch für die Menschen, die dadurch Arbeit gefunden haben.
Wir müssen uns dazu bekennen, dass es Transfers geben wird. Wir beklagen die wachsende Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland. Aber dasselbe passiert auch in Europa.

Wir müssen realistisch sein. Deutschland hat schon nach dem Zweiten Weltkrieg vom Marshallplan profitiert. Die neuen Bundesländer konnten sich nur so entwickeln, weil wir richtigerweise zwei Billionen Euro investiert haben und das immer noch weitergeht. Heute haben wir zwar nicht überall blühende Landschaften. Aber wenn man dort vom Flugzeug aus mit dem Fallschirm abgeworfen würde, könnte man an vielen Orten eher vermuten, sich im wohlhabenderen Teil Deutschlands zu befinden. Das haben wir dank unserer großen Anstrengungen hinbekommen. So wird das auch in einigen Teilen Europas passieren. Darauf sollten wir mal ein bisschen stolz sein.“

Den vollständigen Artikel finden Sie auf Welt.de.

1 Kommentar

  • Wolfgang Dauscher
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    Grundsätzlich ein erfreulicher und positiver Ausblick für Europas Zu-
    kunft.Das ist mit Kreativität und Mut sicher auch realisierbar.Man sollte aber auch bedenken,welche Rolle Europa in zehn,zwanzig Jahren
    bei, der massiv geänderten geopolitischen Lage,spielt.Nur ein Beispiel: Die USA werden in rund 10 Jahren Gas-und Erdöl Selbsver-
    sorger sein. Welche Bedeutung hat dann noch die jetzige Präsenz für
    die Amerikaner am Golf? Die Stimme Europas wird wohl innerhalb der
    neuen Machtverhältnisse eher leiser und weniger gehört werden wie
    jetzt.

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