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Neue Megakräfte erfordern nachhaltige Geschäftspraktiken

Dass die Art und Weise, wie wir Geschäfte machen, unsere Umwelt entscheidend beeinflusst, ist seit vielen Jahren klar. Genauso klar ist, dass weltweite Entwicklungen immer größeren Einfluss auf unsere Geschäftstätigkeit haben.

Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen bei KPMG habe ich die Herausforderungen, Risiken und Chancen untersucht, die sich durch die enormen Veränderungen der heutigen Umwelt und Gesellschaft eröffnen. Wir haben mehrere ökologische und soziale „Megakräfte“ identifiziert von den wir glauben, dass sie in den kommenden zwei Jahrzehnten einen großen Einfluss auf die Unternehmenswelt ausüben werden. Wir können es uns nicht leisten, diese Kräfte zu ignorieren.

Klima und Energie

Ganz oben auf der Liste steht der Klimawandel mit seinen wirtschaftlichen Folgen: Prognosen beziffern die durch den Klimawandel verursachten jährlichen BIP-Einbußen auf 1% bis zu mehr als 5% – je nachdem, ob frühzeitig entschlossen gehandelt wird oder die Politik untätig bleibt.

Nicht minder bedeutend ist die erwartete Zunahme der Volatilität und Unberechenbarkeit der Märkte für fossile Energieträger. Für diese gibt es mehrere Gründe: den weltweit steigenden Energiebedarf, die sich wandelnden Verbrauchsmuster, die zunehmenden Unsicherheiten in der Energieversorgung und -erzeugung sowie die schärferen Klimaschutzvorgaben.

Ressourcenverknappung

Das globale Wirtschaftswachstum beschleunigt die Ressourcenverknappung. Durch die rapide Industrialisierung der Entwicklungs- und Schwellenländer gewinnt diese Problematik an Dringlichkeit. Im Ergebnis werden die globalen Handelshemmnisse und der weltweite Wettbewerb zunehmen.

Das gleiche gilt für das Wasser – einen weiteren Rohstoff, der zur Mangelware wird und neue Herausforderungen für Unternehmen aufwirft: Engpässe in der Wasserversorgung, eine abnehmende Wasserqualität, volatilere Wasserpreise und Reputationsrisiken. Alle diese Faktoren können das Umsatzwachstum dämpfen und zu neuen Sicherheitsrisiken führen, da sie Konflikte um knappe Wasserressourcen wahrscheinlicher machen.

Bevölkerung, Wohlstand und Urbanisierung

Mit der Weltwirtschaft wächst auch die globale Bevölkerung. Unseren Schätzungen zufolge werden bis 2032 8,4 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben. Dadurch steigt der Druck auf die Ökosysteme und die Rohstoffreserven. Das Ergebnis sind Versorgungsengpässe und hohe Preisschwankungen.

Zugleich wird erwartet, dass die globale Mittelschicht (von der OECD definiert als Personen mit einem verfügbaren Einkommen von 10 bis 100 US-Dollar pro Tag) im Zeitraum 2010 bis 2030 um 172% anwächst. Damit stehen wir vor der nächsten Herausforderung: der Versorgung dieses explosiv wachsenden Marktsegments mit immer knapperen, hohen Preisschwankungen ausgesetzten Rohstoffen.

Infolge der Landflucht der neuen globalen Mittelschicht beobachten wir überall auf der Welt einen starken Trend zur Urbanisierung. Das erfordert hohe Investitionen in den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und der Internet- und Mobilfunkanbindungen.

Ein weiteres wichtiges Zukunftsthema ist die Ernährungssicherheit. In den nächsten zwei Jahrzehnten wird die weltweite Nahrungsmittelversorgung zunehmend unter Druck geraten. In der Folge wird bis 2030 mit einem Anstieg der Lebensmittelpreise um 70–90% gerechnet.

Ökosysteme

Zugleich führt die zunehmende Belastung der Ökosysteme zu einem Rückgang der natürlichen Ressourcenvielfalt. Rohstoffe werden knapper und teurer. Die Wasserkosten werden steigen, und invasive Arten werden die Landwirtschaft, die Fischerei und die Nahrungsmittelsicherheit zunehmend bedrohen.

Durch neue Regularien zum Schutz der Wälder sowie zunehmende Kundenforderungen nach einer Nachhaltigkeitszertifizierung der Produkte stehen die Holzindustrie und nachgelagerte Sektoren wie Zellstoffe und Papier verstärkt unter Druck.

Jetzt muss gehandelt werden

Die Maßnahmen, mit denen Regierungen versuchen, diesen Megakräften zu begegnen, werden die Unternehmen in den nächsten 20 Jahren vor immer neue Herausforderungen stellen. Nachdem die externen Umweltkosten der Geschäftstätigkeit heute noch kaum in den Bilanzen auftauchen, werden die Unternehmen diese künftig zu einem größeren Anteil selbst tragen müssen. Wir empfehlen unseren Kunden, nachhaltigkeitsorientierte Geschäftspraktiken zu verfolgen, die nicht nur einzelne, sondern alle diese Megakräfte ganzheitlich berücksichtigen.

Risiken und Chancen, die wir nicht ignorieren können

Es wäre falsch, diese Risiken als „mittel- bis langfristig“ zu bezeichnen. Unternehmen spüren ihre Folgen schon heute. Die Megakräfte führen zu physischen Risiken wie Sachschäden oder Lieferkettenstörungen durch Extremwetterereignisse und Wettbewerbsrisiken wie Rohstoffpreisschwankungen und einer sich rasch wandelnden Marktdynamik. Weitere Risiken betreffen potenzielle Reputationsschäden, häufigere Rechtsstreitigkeiten, komplexe Regularien, die sich immer wieder ändern sowie die wachsende Gefahr sozialer Unruhen oder sogar internationaler Konflikte um umweltbezogene und gesellschaftliche Fragen.

Angesichts der potenziell weitreichenden Folgen dieser Entwicklungen müssen Unternehmen und Politik jetzt gemeinsam strategische Entscheidungen treffen und ein langfristiges Umdenken fördern. Können die mit ökologischen und sozialen Megakräften verbundenen Risiken und Chancen in der Unternehmensbewertung weiter größtenteils ignoriert werden? Die einzig eindeutige Antwort lautet „nein“.

Der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung kann gelingen, wenn die globalen Unternehmen, Regierungen und Gesellschaften voll dahinterstehen und innovative Lösungen vorantreiben. Dazu aber müssen wir alte Vorstellungen der unternehmerischen Verantwortung über Bord werfen. Wir müssen akzeptieren, dass es nicht mehr nur um die Sicherung und Stärkung der Reputation geht und dass sich die Unternehmen den Folgen der Trinkwasserverknappung, der steigenden Energiekosten und der Zerstörung der Ökosysteme nicht entziehen können. Erfolgreich bewältigen lassen sich diese Herausforderungen nur durch ein tiefgreifendes Verständnis der jeweils relevanten Faktoren. Ist das gegeben, eröffnen die neuen Risiken auch echte Wettbewerbsvorteile.

Die Wertevorstellungen der Konsumenten und Investoren wandeln sich. Unternehmen erkennen, dass ein Verständnis der unternehmerischen Verantwortung, das über die nächsten Quartalsergebnisse hinausreicht, neue Chancen eröffnet. Mutige, visionäre und innovative Unternehmen begreifen, dass das, was gut für die Menschen und unsere Erde ist, auch der langfristigen Unternehmensentwicklung zugutekommt und langfristige Wertsteigerungen für Aktionäre ermöglicht.

Wir können nie sicher sein, was die Zukunft bringt. Gute Unternehmen aber rüsten sich für alle möglichen Szenarien – indem sie das Unerwartete erwarten.

Logistik 2050 – eine Zukunftsstudie der Deutschen Post DHL (PDF)

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