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Acht Top-Trends für 2018

Auf 2,290 Billionen US-Dollar – oder rund 10,1 Prozent der weltweiten Einzelhandelsumsätze – summierten sich die Erlöse des Online-Handels 2017. Fast doppelt so viel, 4,479 Billionen US-Dollar, werden es 2021 voraussichtlich sein. Während der Online-Handel in vielen Märkten inzwischen fest etabliert ist, gibt es in anderen noch jede Menge unerschlossenes Potenzial.

Dem E-Commerce steht zweifellos ein aufregendes Jahr bevor. In spannenden neuen Märkten wie Südostasien, dem Nahen Osten und Lateinamerika kann die Branche in diesem Jahr richtig durchstarten. Gleichzeitig sorgen neue Technologien in der Online-Produktvermarktung für Wirbel. Welche Entwicklungen sollten kleine und mittelständische Unternehmen in diesem Jahr im Blick behalten und von welchen Trends dürften sie am stärksten profitieren? Hier sind meine acht „Top-Themen“ für 2018.

1. Einkaufserlebnis und Personalisierung

Nicht nur Branchenriesen wie Amazon können die Kundenerfahrung neu erfinden. Personalisierung heißt das neue Schlagwort für Kundengewinnung und -bindung. Anbieter, die ihren Kunden ein völlig neuartiges Einkaufserlebnis bieten können, werden in den nächsten Jahren die Nase vorn haben. Warum? In unserer informationsüberfluteten Welt wollen Verbraucher ihre Zeit nicht mit irrelevanten Informationen vergeuden. Durch personalisierte Services, Produktangebote und Informationen können sich auch Kleinunternehmen und Mittelständler von der Masse abheben und dauerhaft Kunden gewinnen. Einer Studie der Boston Consulting Group zufolge können Händler, die es schaffen, ihre Kunden gemäß ihrer Präferenzen sehr gezielt zu bedienen, mit sechs bis zehn Prozent mehr Umsatz rechnen. Damit wachsen sie zwei bis drei Mal so schnell wie Händler, die nicht auf Personalisierung setzen. Ansätze gibt es viele. Amazon empfiehlt seinen Kunden Produkte, die ihnen auch gefallen könnten. Netflix schlägt Nutzern auf Basis ihrer bisherigen Vorlieben andere Filme und Serien vor. Kleine Anbieter können genauso vorgehen, ohne als aufdringlich wahrgenommen zu werden. Sonderangebote in sozialen Medien sind eine Möglichkeit, eine E-Mail, um nachzufragen, ob der Kunde noch etwas Ähnliches sucht, eine andere.

2. Omni-Channel-Management

Ende 2017 nutzten weltweit bereits zwei Milliarden Menschen ihre mobilen Endgeräte, um online einzukaufen. Natürlich tätigen nicht alle Online-Shopper ihre Einkäufe mit dem Smartphone. Rund 95 Prozent der mobilen Internetnutzer aber nutzen das Smartphone, um sich konkreter zu informieren, bevor sie bei einem Anbieter anrufen oder seine Filiale aufsuchen. Wie Google herausgefunden hat, „beginnen 85 Prozent der Online-Käufer ihren Einkauf auf einem Gerät und schließen ihn auf einem anderen ab.“ Die Botschaft der Verbraucher ist klar: 2018 liegt die Priorität auf der Integration von Online-Plattformen und Geräten. Eine Präsenz auf mehreren Kanälen reicht nicht mehr. Die Kunden müssen den Eindruck haben, dass sie es mit einer Einheit und nicht mit vielen einzelnen Teilen einer Einheit zu tun haben. Dafür müssen die Geräte vernetzt sein. Aspekte wie Design, Branding, Tonalität, Werbung und Social Media müssen eng ineinandergreifen. Wer als Anbieter am Ball bleiben will, wird in den nächsten Jahren vor allem zwei Dinge brauchen: eine Omnichannel-Strategie und ein solides Backend, um Kunden die eigene Marke nahe zu bringen, ganz egal, welches Gerät sie gerade nutzen.

3. M-Commerce

Im Online-Handel werden mobile Endgeräte 2018 eine noch größere Rolle spielen. Bis Ende 2018 wird der Anteil der mobilen Zugriffe bei 70 Prozent des E-Commerce-Traffic insgesamt liegen und immer mehr Menschen werden mit dem Smartphone einkaufen. Prognosen von Goldman Sachs zufolge werden sich die Mobile-Commerce-Umsätze im Jahr 2018 auf rund 626 Milliarden US-Dollar belaufen – das entspricht in etwa dem gesamten E-Commerce-Umsatz des Jahres 2013. Mit fortschrittlichen mobilen Zahlungslösungen sorgen Unternehmen wie Google, Samsung und Apple dafür, dass das mobile Shopping noch bequemer wird und der Einkauf per Smartphone für viele Kunden zur bevorzugten Zahlungsweise wird. Bei Starbucks in den USA zum Beispiel werden bereits 10 Prozent der Einkäufe über die mobile App des Unternehmens bestellt und bezahlt. Dabei hat sich gezeigt, dass Verbraucher, die mobil einkaufen, tendenziell doppelt so viel ausgeben wie andere Käufer.

4. Sprachsuche

Immer mehr Menschen nutzen Sprachassistenten für die Online-Produktsuche. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei den sogenannten Millennials – 40 Prozent von ihnen haben bereits mit Hilfe eines Sprachassistenten eingekauft. Bis 2020 werden es mehr als 50 Prozent sein. Die Sprachsuche ist ein großes Thema, vor allem für Suchmaschinen und Werbetreibende. Wie werden Kunden Produkte finden, wenn sie dazu keine Webseite mehr besuchen müssen? Die Unternehmen werden sich Gedanken darüber machen müssen, wie sie ihre Listings für die Sprachsuche optimieren, und sicherstellen, dass ihre Inhalte für mögliche Auskunftsanfragen relevant sind, mit denen Kunden nach einem Produkt suchen. Angesichts der zunehmenden Beliebtheit von smarten Lautsprechern wie Amazon Echo und Google Home dürfte der erste Markenkontakt vieler Kunden künftig tatsächlich vom Sprachassistenten gesteuert werden.

5. Mehr Komfort und Lieferoptionen

Kunden mögen es bequem – sie möchten selbst wählen, wo sie ihre Sendungen abholen oder erhalten, und sie warten ungerne länger als einen Tag auf ihre Bestellung. Der Zustell- und Fulfillment-Markt war schon immer umkämpft, aber 2018 wird ein noch schärferer Wettbewerbswind wehen. Unternehmen, die in diesem Markt erfolgreich bestehen wollen, müssen schneller und effizienter sein und mehr Optionen anbieten: vom Zeitfenster für die Zustellung nach Hause bis zur Abholung in der Filiale – je mehr Wahlmöglichkeiten es gibt, desto besser. Um unsere Kunden zu unterstützen, werden wir unser Fulfillment sowie unser Abholungs- und Zustellnetzwerk 2018 weiter ausbauen, vor allem in Südostasien. Gleichzeitig ist eine zunehmende Automatisierung der Lagerabläufe zu beobachten. Neben autonomen Transportsystemen wie unserem Kommissionier-Roboter Effibot werden wir in unserem Netzwerk auch zunehmend Lieferroboter einsetzen. Die autonomen Begleiter der Zusteller wurden von unserer Schwestergesellschaft Deutsche Post in Deutschland bereits erfolgreich getestet. Das Ziel ist immer das gleiche: die Erwartungen unserer Kunden an eine schnelle, effiziente und kosteneffektive Lieferung zu erfüllen.

6. Augmented Reality

Die gespannt erwartete Einführung des ersten Magic Leap-Headsets war ein weiterer Schritt in Richtung des Augmented Reality (AR)-gestützten Einkaufs. Im E-Commerce könnte die „erweiterte Realität“ schon bald dafür sorgen, dass der Online-Handel dem „echten“ Einkaufserlebnis in nichts mehr nachsteht. Entsprechend groß ist der Hype der Händler rund um dieses Thema. TechCrunch prognostiziert, dass der AR-Markt bis 2021 auf 83 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. Wichtigster Treiber dieses Wachstums werden die mobilen AR-Apps sein. Wer würde es nicht einmal ausprobieren wollen? Kleidungsstücke vor dem Kauf anprobieren, Make-up testen, per 3D-Visualisierung testen, wie sich ein Produkt in den eigenen vier Wänden machen würde – die Möglichkeiten sind enorm. Der Online-Möbelhändler Wayfair bietet bereits eine Shopping App mit Augmented-Reality-Funktion für iOS 11. Mit dem Visualisierungstool „View in Room 3D“ können Kunden dreidimensionale Bilder von Wayfair-Produkten in ihrer Wohnung platzieren. So können sie sehen, wie Möbel oder Deko-Artikel zu ihrer Einrichtung passen würden. Auch beim letztjährigen Singles Day in China war AR ein Thema: Hier konnten Kunden mit AR-Spielen à la Pokémon Go Einkaufsgutscheine gewinnen. Bei uns wird das Thema seit vielen Jahren diskutiert – aber 2018 könnte das Jahr werden, in dem Augmented Reality tatsächlich endlich zur Realität wird.

7. Aufstrebende Märkte im Aufwind

Mit dem fortschreitenden Entwicklungsgrad des weltweiten E-Commerce nimmt das Wachstumspotenzial in einigen Märkten ab – so haben bereits rund die Hälfte der US-amerikanischen Haushalte eine Prime-Mitgliedschaft und fast die Hälfte der chinesischen Bevölkerung kauft bereits online ein. Damit ist es Zeit für den Aufbruch in neue Märkte. Das größte Potenzial sieht Business Insider in Indien, Südostasien und Lateinamerika. In diesen Regionen kaufen erst 2 bis 6 Prozent der Konsumenten online ein, das Wachstumspotenzial ist also enorm. Hinzu kommt, dass diese Wirtschaftsräume bis 2021 voraussichtlich mit Raten von durchschnittlich 31, 32 beziehungsweise 16 Prozent pro Jahr wachsen werden. Das kurzfristig größte Potenzial bietet sicherlich Indien. Kleine und mittelständische Unternehmen sollten aber auch die Märkte in Südostasien und Lateinamerika im Blick behalten. In Südostasien bietet Indonesien die besten Aussichten für den Handel. Neben einer riesigen, internetaffinen Bevölkerung profitieren Anbieter hier von einer Regierung, die ausländische Investoren mit offenen Armen empfängt. In Lateinamerika partizipieren wir bereits am Potenzial des chilenischen Marktes. Im EIU-Ranking der Länder mit den besten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen, das 81 Länder miteinander vergleicht, lag Chile mit einem Gesamtwert von 7,8 von 10 in Lateinamerika zuletzt auf Platz 1. Mit seiner stabilen Wirtschaft und aufstrebenden Mittelschicht ist Mexiko ein weiterer potenziell interessanter Markt. Das enorme Potenzial des wachsenden Online-Marktes in Brasilien sollte aber auch nicht unterschätzt werden.

8. Daten sind alles im B2B-Geschäft

Wir sind so auf die Verbraucher und ihr Online-Verhalten fokussiert, dass wir den boomenden B2B-Sektor häufig völlig übersehen. Statista zufolge wird „das Bruttovolumen der B2B-E-Commerce-Transaktionen 2017 auf 7,66 Billionen US-Dollar ansteigen, verglichen mit 5,83 Billionen US-Dollar im Jahr 2013.“ Kein Zweifel, die Branche floriert. Aber das Geschäft könnte schwieriger werden. Letztlich sind auch B2B-Käufer nur Verbraucher, die bei ihren Online-Bestellungen zunehmend B2C-ähnliche Funktionalitäten erwarten. „Der immer größere Anteil digital-affiner Millennials an der Erwerbstätigenbasis, die jederzeitige Möglichkeit des mobilen Internetzugriffs und die unaufhörliche Optimierung der E-Commerce-Technologien zwingen den traditionell eher veränderungsresistenten B2B-Sektor zu grundlegenden Veränderungen“, heißt es in einem Bericht von Absolunet. Was wirklich erfolgreiche B2B-Marken ausmacht, erklärt eMarketer: Sie sind „käuferorientiert und wissen, wie ihre Käufer ihre Kaufentscheidungen treffen.“ Ein derartiges Kundenverständnis hat viel mit Daten zu tun, und die erfolgreichsten B2B-Marken des Jahres 2018 werden Daten optimal zu nutzen wissen. Damit sind die größten Herausforderungen für den B2B-Sektor in diesem Jahr vorgezeichnet: Gefragt sind vor allem der Zugriff auf hochwertige Daten sowie die Fähigkeit, diese zu verarbeiten und richtig zu interpretieren.

Also freuen wir uns auf ein weiteres spannendes Jahr in der wunderbaren Welt des E-Commerce! Ich bin schon sehr gespannt, wie es mit meinen „Top 8“ in diesem Jahr weitergeht.

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