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Die digitale Nähe in der Arbeitswelt

Trotz aller Digitalisierung ist es für viele Menschen immer noch lieber, im Büro mit den Kollegen zu sitzen und dort zu arbeiten. Die räumliche Nähe schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre, zeigt anderen, dass ich persönlich erreichbar bin und am gemeinsamen Projekt arbeite. Dieses Konkrete vermissen viele, wenn jemand nicht vor Ort ist. Das Homeoffice hat keinen besonders guten Ruf, weil an der Produktivität der Mitarbeiter gezweifelt wird oder diese das Gefühl haben, vom Informationsfluss im Unternehmen abgeschnitten zu sein.

Für viele Arbeitnehmer ist es unvorstellbar, einen Heimarbeitsplatz anzunehmen. Irgendwie fühlten sie sich dadurch abgeschoben. Dabei hat sich das Arbeitsleben in den vergangenen Jahrzehnten rasant verändert. Es geht längst nicht mehr um die telefonische Erreichbarkeit und die technologische Infrastruktur. Beides ist in der Regel einfach realisierbar.

Ohne dass wir es gemerkt haben, hat sich unser Arbeitsplatz längst virtualisiert. Wir telefonieren immer weniger, tauschen stattdessen kurze Nachrichten mit unseren Kollegen über den Messenger unserer Wahl oder über das firmeninterne Netzwerk aus. War das direkte Online-Gespräch mit oder ohne Bildübertragung Anfang des Jahrtausends noch eher privat, hat es sich längst zu einem Businesstool gemausert, das gerne für die interne und externe Zusammenarbeit genutzt wird. Im Kundenservice eignet es sich sehr gut, um den Kundenkontakt zu pflegen.

Bessere Zusammenarbeit durch neue Tools

Das Chatten im Enterprise 2.0 geht schnell und effizient, ist aber dennoch für viele noch ungewohnt und hierzulande nur in wenigen Unternehmen verbreitet. Was heute erst wenige in den Konzernen nutzen, wird in einigen Jahren von allen Wissensarbeitern ganz selbst verständlich praktiziert werden.

Doch schon jetzt kommunizieren wir den größten Teil unserer Arbeitszeit mit Personen, die wir nicht direkt sehen und hören. Unsere Kontakte erreichen und pflegen wir über Xing, LinkedIn, Twitter oder Facebook. In Zukunft werden zahlreiche neue Tools die Zusammenarbeit noch leichter machen. Einen kleinen Vorgeschmack darauf bietet beispielsweise Slack. Über dieses Tool lässt sich die interne Kommunikation effizient und nahe an den Mitarbeiterbedürfnissen umsetzen. Es ermöglicht neben dem direkten Daten- und Kommunikationsaustausch vor allem eines: die persönliche Nähe zu den anderen Mitarbeitern herzustellen.

Im digitalen Raum fehlt es an Nähe

Neben den praktischen Vorteilen, den viele moderne Kommunikationsinstrumente bieten, wird oft vergessen, was den Menschen besonders wichtig ist. So praktisch ein Homeoffice auch sein mag, wir wollen nicht immer alleine vor einem Rechner sitzen und unsere Aufgaben abarbeiten. Als soziale Wesen wollen wir von unseren Kollegen, Partnern und Kunden wahrgenommen werden. Im Digitalen fehlt uns das.

Wenn wir einander in einem Raum begegnen, verständigen wir uns ohne Worte bereits mit zahlreichen Informationen, die sich nur schwer über digitale Kanäle abbilden lassen. Selbst Videos erfassen nur einen Bruchteil der informellen Signale, die durch die persönliche Anwesenheit miteinander ausgetauscht werden. Wir spüren und riechen einander. Es fällt schwer, diese Nähe online nachempfindbar zu machen.

Zudem lassen sich soziale Verhaltensweisen nicht ganz so leicht in die digitale Sphäre übertragen. Wenn wir uns dort intern oder extern äußern, müssen wir mit den Reaktionen umgehen lernen. Diese Form der öffentlichen Kritik kennen die meisten Menschen allenfalls von der E-Mail. Nur wenige können damit umgehen, wenn sie vor anderen in einem großen E-Mail-Verteiler kritisiert werden. Es ist generell nicht leicht, in der digitalen Öffentlichkeit zu stehen.

Kein leichter Umgang mit Facebook & Co.

Wer jetzt ins Arbeitsleben einsteigt, hat zumindest erste Erfahrungen in den sozialen Networks gesammelt, kennt die Verhaltensweisen auf Facebook und Whatsapp und kann dieses in der digitalen Arbeitswelt nutzen.  Die digitale Welt ist längst auch eine soziale Sphäre geworden und verliert zunehmend ihre Abstraktheit. Je mehr wir online miteinander kommunizieren, desto leichter fällt es uns, aufeinander zuzugehen und sogar eine digitale Nähe herzustellen.

Dabei wird eine Kultur der Wertschätzung immer wichtiger, in der die digitale Nähe nicht als Risiko, sondern als Chance wahrgenommen wird. Wenn ich jemanden auf Twitter, Facebook etc. online folge, erfahre ich sehr vieles von dessen digitaler Persönlichkeit.  Wer immer nur über sich spricht (schreibt) und nicht andere lobt, darf sich nicht darüber wundern, wenn die persönlichen Reaktionen ausbleiben. Es lohnt sich, andere zu liken, zu retweeten und sich öffentlich zu bedanken. Auf diese Weise entsteht ein digitales Profil, welches unser reales Verhalten oftmals spiegelt. Es erleichtert uns, eine Person einzuordnen und ein rudimentäres Verständnis von ihr zu entwickeln. Dadurch entsteht automatisch eine gewisse Nähe, die auf Basis von soften Informationen entsteht.

Je mehr einzelne Menschen von sich online offenbaren, desto leichter ist es, diesen Personen nahe zu sein. Wenn wir von uns ein Selfie machen, ist das eine Momentaufnahme, die uns repräsentiert. Jedes Bild von uns schafft ein digitales Ebenbild, welches uns nahbarer macht. Davon profitieren Social Networks, die dem Profilbild eine wichtige Rolle zuweisen. Mir fällt es schwer, einer Katze oder einem Hund mein digitales Vertrauen zu schenken. Je echter wir uns online zeigen, desto leichter können wir online und offline unsere Netzwerke ausbauen. Wiedererkennung ist in dieser Hinsicht sehr wichtig, um sich einer Beziehung zu vergewissern und Vertrauen aufzubauen.

Kontakte auch online pflegen

Wer Angst vor der Online-Öffentlichkeit hat, dürfte es in Zukunft eher schwer haben.

Das Zeigen von Persönlichkeit und Empathie sind eine wichtige Voraussetzung für das erfolgreiche Arbeiten in der digitalen Welt. Im normalen (Offline-)Gespräch erzähle ich etwas Persönliches, teile Geheimnisse, um darüber Nähe und vielleicht sogar Freundschaften herzustellen. Dabei entscheide ich jedes Mal selbst, wie weit ich jemanden ins Vertrauen ziehe. Darüber mache ich mir natürlich in der digitalen Öffentlichkeit ebenfalls Gedanken. Letztlich steht uns ein enormer kultureller Wandel in der Arbeitswelt bevor, in der wir es lernen müssen, mit unseren Stakeholdern persönlich und zum Teil sogar öffentlich zu kommunizieren.

Wir müssen online menschlicher werden, auf andere zugehen und uns zeigen. Die Technik ist vorhanden. Es fehlt oft noch der menschliche Faktor. Als kommunikative Wesen müssen wir lernen, online besser den Kontakt miteinander zu pflegen und freundlich zueinander zu sein, um dabei angstfreier zu werden. Wer Angst vor der Online-Öffentlichkeit hat, dürfte es in Zukunft eher schwer haben. Teams in den Unternehmen sind längst digital, wer sich in der Digitalsphäre nicht zeigt, findet nicht statt. Unsere Identität erhält ein digitales Ebenbild, welches stellvertretend für uns selbst handeln und filtern wird. Jeder kann unseren digitalen Zwilling erreichen, aber muss deutlich machen, was sein Anliegen ist, damit er damit durchdringt und vielleicht sogar eine digitale Nähe entstehen lässt.

Deutsche Post Glücksatlas 2015

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