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Vernetzte Welt – warum E-Commerce keinen Halt mehr an der Grenze macht

Konsumenten entdecken die globale Welt. Was Sie über den grenzüberschreitenden E-Commerce wissen sollten.

Für uns in der Transport- und Logistikindustrie ist der grenzüberschreitende Onlinehandel nichts Neues. Viele von uns haben diesen Wachstumstrend genau verfolgt, die eigenen Geschäftsmodelle an die neuen Bedürfnisse der Konsumenten angepasst und den Lohn dafür kassiert. Obwohl uns sehr bewusst ist, welche Herausforderungen noch vor uns liegen, sehen wir enormes Potenzial in den grundlegend neuen Ansätzen für das Fulfillment, die Zustellung und das Retourenmanagement im E-Commerce.

Das Volumen des grenzüberschreitenden Onlinehandels wächst mit jährlichen Raten von rund 25 Prozent. Das sind Wachstumsraten, von denen die meisten traditionellen Einzelhandelsmärkte nur träumen können. Und aktuell deutet nichts darauf hin, dass die Nachfrage nach ausländischen Produkten in absehbarer Zeit nachlassen wird. Mit einem Warenwert von rund einer Billion US-Dollar werden bis 2020 voraussichtlich rund 22 Prozent des globalen E-Commerce-Marktes auf den grenzüberschreitenden Handel entfallen.

Grenzenlose Auswahl

Wie der IPC Cross-Border E-Commerce Shopper Survey 2017 zeigt, kaufen mehr Verbraucher denn je grenzüberschreitend ein. Dabei überrascht kaum, dass China bei weitem die meisten Käufer anzieht – Online-Shopper in Australien, Brasilien, Mexiko, Russland, den USA und großen Teilen Westeuropas bestellen mehr Waren aus China als aus irgendeinem anderen Land. In Brasilien, Mexiko und den USA zum Beispiel kommt China auf einen Anteil von über 50 Prozent an den grenzüberschreitenden Online-Einkäufen.

Freihandelszonen und geographische Nähe wie zum Beispiel in Europa machen den internationalen Handel besonders wirtschaftlich und attraktiv und geben den Anstoß für ein dichtes Netz grenzüberschreitender Transaktionen. Mehr als 70 Prozent der Online-Shopper in Österreich und Luxemburg bestellen ihre Waren vornehmlich aus Deutschland – das gleiche gilt für fast 50 Prozent der Schweizer Online-Käufer. In Irland bevorzugen 60 Prozent der Online-Shopper britische Händler, während belgische Konsumenten in erster Linie auf Angebote der Händler in den benachbarten Niederlanden zurückgreifen.

Warum drängt es die Konsumenten ins Ausland? Ein Grund ist die inzwischen große Vertrautheit mit der Welt des Onlinehandels. Heutige Online-Shopper kennen sich bestens aus in der digitalen Welt und nutzen Online-Tools für Preis- und Servicevergleiche, um den jeweils besten Anbieter zu finden. Sie kaufen nicht zufällig im Ausland ein, sondern bewusst – und aus grundlegenden Erwägungen. Das Consumer Barometer von Google hat die wichtigsten Gründe für den grenzüberschreitenden Online-Einkauf ermittelt: eine bessere Produktverfügbarkeit, ein attraktiveres Angebot und Vertrauen in Marken und Anbieter. Einfach ausgedrückt haben immer mehr Online-Käufer kein Problem damit, ihr Produkt im Ausland zu bestellen, wenn sie das, wonach sie suchen, im Heimatmarkt nicht bekommen, der ausländische Anbieter das bessere Angebot hat oder sie der Marke vertrauen.

Außer im Handel mit Massenartikeln ist ein ausschließlicher Preiswettbewerb langfristig praktisch nicht durchzuhalten. Für die Online-Händler bedeutet das: Wenn sie sich im Wettbewerb abheben möchten, müssen sie Produktverfügbarkeit und Vertrauen bieten.

Erwartungen erfüllen

Das Potenzial ist enorm. Warum also reagieren so viele Unternehmen so zögerlich auf diese Nachfrage? Laut einer aktuellen Untersuchung von EFT sind die Zollregulierung, die Nachverfolgung grenzüberschreitender Sendungen und die Erfüllung der Erwartungen an den Versand die größten Herausforderungen. Interessanterweise betreffen die beiden letztgenannten Faktoren genauso auch Unternehmen, die nur an inländische Adressen liefern – und die IPC-Umfrage zeigt, dass die Sendungsverfolgung und Transparenz auf der Liste der Erwartungen grenzüberschreitend einkaufender Konsumenten ganz oben stehen.

Auf die Frage, wie wichtig bestimmte Versanddienstleistungen auf einer Fünf-Punkte-Skala von „sehr wichtig“ bis „gar nicht wichtig“ sind, geben zum Beispiel rund 70 Prozent der Verbraucher an, dass es „sehr wichtig“ sei, vorab über die volle Höhe der Versandkosten informiert zu sein. Fast 60 Prozent bezeichnen sowohl kostenlose Retouren als auch einen einfachen und zuverlässigen Rücksendungsprozess als „sehr wichtig“. Für rund 50 Prozent ist zudem eine einfache Möglichkeit zur Nachverfolgung ihrer Waren von der Bestellung bis zur Zustellung „sehr wichtig“. Ganz oben auf der Liste steht auch die Möglichkeit, Zeit und Ort der Zustellung selbst festzulegen.

Nachdem sie seit Jahren im eigenen Land online einkaufen, haben sich die Konsumenten an die lokalen Einkaufsgewohnheiten gewöhnt und erwarten den gleichen Service von ausländischen Online-Händlern. In Europa zum Beispiel tätigen die meisten Konsumenten ihre Einkäufe immer noch am PC oder Laptop. Und PayPal ist die mit Abstand beliebteste Bezahlungsoption. Rund 61 Prozent der deutschen Verbraucher zum Beispiel bezahlen lieber mit PayPal als mit ihrer Kredit- oder EC-Karte.

Die Option, jederzeit den Status ihrer Sendungen einsehen zu können, wünschen sich Kunden überall und die meisten Kunden nehmen ihre Pakete auch am liebsten zu Hause entgegen. Abgesehen davon unterscheiden sich die Versandpräferenzen aber von Land zu Land. Umso wichtiger ist es für Online-Händler wie auch Logistikunternehmen, Wünsche und Erwartungen der Kunden im jeweiligen Markt zu kennen. In Skandinavien sind ServicePoints die beliebtesten Abholstellen. Viele Russen dagegen möchten ihre Bestellungen lieber in der Postfiliale abholen.

Lokale Expertise für globale Reichweite

Jetzt, da der E-Commerce nicht mehr an der Grenze Halt macht, nutzen wir unsere lokale Expertise und unser globales Netzwerk, um die steigende Nachfrage nach Service, einfacher Handhabung und konkurrenzfähigen Preisen zu bedienen. In Europa bietet DHL Parcel Connect für alle Länder im DHL Parcel Europe Netzwerk – aktuell 27, aber dabei wird es nicht bleiben – einen europaweit standardisierten Paketservice an. Mit kurzen Laufzeiten, hohen Qualitätsstandards, einer durchgängigen Sendungsverfolgung und einem breiten Angebot an Serviceleistungen für die Empfänger erfüllt dieser genau die Anforderungen, die in der IPC-Umfrage deutlich werden.

Seit diesem Monat bietet DHL Parcel Europe seine Services auch in der Schweiz an. Dadurch werden wir den Bedarf unserer Kunden im Alpenstaat mit erstklassigen inländischen und grenzüberschreitenden Logistiklösungen noch besser decken können.

Natürlich haben wir bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und der Ausrichtung unseres Serviceangebots auf die Bedürfnisse der Konsumenten auch die Bemühungen der EU um mehr Preistransparenz im grenzüberschreitenden E-Commerce im Blick. Tatsächlich veröffentlichen wir unsere Preise – wie viele Postdienstleister – bereits im Internet. Vergleichsportale können auf diese Daten zugreifen und den Verbrauchern so eine bessere Informationsgrundlage für ihre Entscheidungen geben. Die Frage ist, wie und ob die Regulierungsbehörden die „Erschwinglichkeit“ des Paketversands bewerten wollen. Die von den Konsumenten gezahlten Versandkosten werden von den Online-Händlern festgesetzt, häufig mit einer Marge auf den Preis, den die Lieferunternehmen berechnen. Dennoch ist dies ein Thema, das die grenzüberschreitende E-Commerce-Industrie in Europa im Auge behalten muss.

Manche behaupten, die Zukunft des E-Commerce liege im grenzüberschreitenden E-Commerce. Dem würde ich zustimmen. Diejenigen von uns, die den Online-Einkauf im Ausland für die Konsumenten komfortabler machen können – und ihre Erwartungen an das grenzüberschreitende Einkaufserlebnis erfüllen -, werden in dieser Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

1 Kommentar

  • Stefan Rieckmann

    Ja das ist eine spannende Geschichte. Wenn man mal sieht, was da noch an Wachstum drin steckt. Sehr schöner Bericht.

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