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Warum das Freihandels-Abkommen zwischen EU und den USA so wichtig ist

Für Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks enthielt Präsident Obamas Rede zur Lage der Nation („State of the Union“) eine hochwillkommene Botschaft: Die US-Regierung wird mit der Europäischen Union Verhandlungen über ein umfassendes Transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen führen.

Bislang standen die positiven wirtschaftlichen Effekte eines solchen Abkommens im Zentrum der Diskussion – beispielsweise neue Arbeitsplätze und ein prognostiziertes zusätzliches Wachstum von 1,5%. Beides ist, wer wollte das bestreiten, gerade in der jetzigen Lage von großer Bedeutung. Jedoch geht es eigentlich um weit mehr.

Wohlstand durch Vernetzung

Um die positiven Auswirkungen einer transatlantischen Freihandelsinitiative besser zu verstehen, müssen wir uns vor Augen führen, wie positiv sich freie Handelsströme bis heute weltweit ausgewirkt haben. Dafür gibt es wohl kein besseres Beispiel als Europa – die am stärksten vernetzte Region der Welt. Die Daten der Globalisierungsstudie DHL Global Connectedness Index zeigen, wie sehr der Wohlstand eines Landes oder einer Region von der Einbindung in grenzübergreifende Waren-, Dienstleistungs-, Finanz- und Informationsströme abhängt. Dank der europäischen Integration ist uns hier Beachtliches gelungen. Neun der zehn am stärksten vernetzten Länder befinden sich in Europa.

Auch die aktuelle Schuldenkrise müssen wir zu dieser großen Leistung ins Verhältnis setzen. Ohne Zweifel liegt vor uns ein schwieriger Pfad struktureller Reformen in der Haushalts- und Finanzpolitik vieler Länder. Ohne neue Impulse müssen wir für ein paar Jahre mit niedrigeren Wachstumswerten rechnen. Doch sind die Herausforderungen nicht unüberwindbar. Im Gegenteil, sie erfordern eine klare, positive Perspektive für die Zukunft. Weitere ökonomische Integration wird einen entscheidenden Beitrag leisten, diese Perspektive zu schaffen.

Aus zwei Gründen bin ich überzeugt, dass ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten ein wichtiger Meilenstein für Europas weiteren Weg sein wird:

Erstens bringt es europäischen und amerikanischen Unternehmen bedeutende neue Chancen. Der Abbau von Zollschranken und nicht-tarifären Handelshemmnissen sowie eine bessere gegenseitige Vereinbarkeit von Standards und Regulierungen im Zuge eines solchen Abkommens würden für DHL und andere wichtige Player auf dem transatlantischen Markt eine deutliche Senkung der Handelskosten bedeuten. Mit anderen Worten: Effizienzsteigerungen und besserer Service für unsere Kunden bringen greifbaren Nutzen für alle.

Die bedeutendste und größte bilaterale Wirtschaftspartnerschaft auf dem Globus wird so weiter gestärkt. Und die Voraussetzungen könnten besser nicht sein: Bereits heute werden täglich Waren und Dienstleistungen im Wert von mehr als 1,8 Milliarden Euro umgesetzt. Zusammengenommen erwirtschaften beide Volkswirtschaften rund die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung und wickeln rund ein Drittel der weltweiten Warenströme ab. Etwa 14 Millionen Jobs auf beiden Seiten des Atlantiks sind bisher durch die europäisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen entstanden.

Zweitens aber wird ein solches Abkommen eine neue Dynamik zwischen den USA und Europa entfalten. Der intensivierte Austausch lässt eine noch stärkere Basis entstehen, gemeinsam die drängendsten globalen Herausforderungen unserer Zeit anzugehen: den Klimawandel und eine nachhaltige Globalisierung, die immer mehr Menschen auf der Welt Teilhabechancen eröffnet.

Freihandelsabkommen als Treiber für Wachstum und Innovation

Ich bin überzeugt: Ein pulsierender transatlantischer Wirtschaftsraum ist nicht nur dies- und jenseits des Atlantiks attraktiv, sondern kann zusätzlich für einen Wachstums- und Handelsschub in aufstrebenden Märkten sorgen und so das gesamte Welthandelssystem neu beleben. Zudem wird es den Wissenstransfer zwischen unseren Kontinenten beschleunigen, was die Entwicklung bahnbrechender Technologien, Produkte und Dienstleistungen fördert. Darin liegt die eigentliche, die große Chance, die Leistungsfähigkeit und globale Rolle pluraler, auf Innovation hin orientierter Gesellschaften erneut unter Beweis zu stellen.

Jetzt hat Präsident Obama deutlich gemacht, dass er das Abkommen persönlich unterstützt. Die Europäische Kommission hat ihrerseits Einverständnis signalisiert. Die Wirtschaft steht bereit, Ideen und Umsetzungsvorschläge beizutragen. Eine schnelle Verwirklichung der Freihandelszone wird die Hoffnung auf eine bessere Zukunft stärken – auf beiden Seiten des Atlantiks.

1 Kommentar

  • Doug Caldwell
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    Frank,
    Thanks for your enlightening take on the proposed EU-US free trade deal, which would immediately open up exciting new market opportunities for both US and Europe based businesses of all sizes. I see this as a win-win for both continents, and will certainly trigger vigorous economic growth on both sides of the Atlantic. And with a properly structured, comprehensive trade deal, the 1.5% growth projection may prove to be much too conservative.
    Doug Caldwell
    AFMS LLC

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