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Fahrerlose Fahrzeuge werden kommen

„Man kann nichts studieren, das es nicht gibt“, sagt Johan Peter Paludan. Dabei hat der Autor zahlreicher Bücher und ehemalige Direktor des CIFS (Copenhagen Institute of Future Studies – Kopenhagener Institut für Zukunftsforschung) den größten Teil seiner Karriere genau damit verbracht. Als quicklebendiger 70-Jähriger beschäftigt sich Paludan immer noch intensiv mit der Zukunft und hilft Unternehmen, sich auf künftige Herausforderungen und Chancen vorzubereiten und dabei die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir sprachen mit Johan Peter Paludan über Megatrends, die fortschreitende Automatisierung und seine Vision für bessere „Last-Mile“-Zustellsysteme.

Welche Megatrends beschäftigten Sie derzeit am meisten?

Paludan: Die Globalisierung ist ein großer Trend, vor allem das Auseinanderdriften der Erwerbsgruppen in den einzelnen Ländern, das zu zunehmenden Einkommensunterschieden führt. Der wirtschaftliche Wohlstand ist ein weiterer Megatrend und ein sehr volatiles Thema. Es gibt ein altes Sprichwort: „Kapitalismus ohne Krise ist wie Religion ohne Sünde.“ Das eine scheint es ohne das andere nicht zu geben – Exzesse und Sünden sind unvermeidbare Aspekte des menschlichen Wesens. Ein weiterer großer Trend ist die demographische Entwicklung, vor allem die Alterung der Weltbevölkerung. Von den Babys, die heute geboren werden, wird wahrscheinlich die Hälfte 100 Jahre alt!
Der E-Commerce ist nicht mehr wegzudenken und wird weiter wachsen, da es für immer mehr Menschen normal wird, online einzukaufen.

Was sind die größten künftigen Herausforderungen für Unternehmen?

Paludan: Der Fachkräftemangel wird ein großes Problem sein. Ich sage den Unternehmen, dass sie jetzt anfangen sollten, mehr Leute einzustellen, weil sie dazu in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr in der Lage sein werden.

Sie haben in der Vergangenheit viel über E-Commerce geschrieben. Wie wird sich der E-Commerce Ihrer Ansicht nach weiterentwickeln?

Paludan:

Der E-Commerce ist nicht mehr wegzudenken und wird weiter wachsen, da es für immer mehr Menschen normal wird, online einzukaufen. Einkaufsmeilen und kleine Ladengeschäfte werden wahrscheinlich komplett von der Bildfläche verschwinden, einfach weil es so viel einfacher ist, online einzukaufen. Der 3D-Druck wird sich ebenfalls weiterentwickeln und uns die Möglichkeit geben, alles, was wir brauchen, bequem zu Hause anzufertigen.

Und wie sieht es mit der fortschreitenden Automatisierung aus?

Paludan: Die Automatisierung wird uns alle einfachen Aufgaben abnehmen – aber den „Faktor Mensch“ werden wir weiterhin brauchen, für die kniffligen Aufgaben. Fahrerlose Fahrzeuge werden ebenfalls kommen, aber ich bin nicht sicher, wann es so weit sein wird.

Fahrerlose Fahrzeuge werden ebenfalls kommen, aber ich bin nicht sicher, wann es so weit sein wird.

Lagerroboter gibt es bereits, aber wir brauchen noch eine bessere Automatisierung der Zustellung auf der „letzten Meile“, um diese nachhaltig zu gestalten. Eine Vision wäre ein Lager für jede Nachbarschaft mit einem Zustellunternehmen, das Online-Bestellungen an die Anwohner ausliefert. So könnte man vermeiden, dass viele verschiedene Anbieter in vielen einzelnen Zustellfahrzeugen die gleiche Gegend abfahren. Eine weitere Idee wäre eine Zustellbox – so ähnlich wie eine Katzenklappe – mit einem speziellen Barcode-Scanner für jeden Haushalt. Damit könnten Waren auch dann bequem zugestellt werden, wenn niemand zu Hause ist.

Welche Qualitäten braucht ein Zukunftsforscher?

Paludan: Man braucht eine offene Einstellung zur Wirklichkeit und muss anderen zuhören können. Man muss einen fruchtbaren Ideenaustausch mit einer Vielzahl unterschiedlicher Menschen schätzen – und akzeptieren, dass 2 + 2 manchmal auch 5 ergeben kann.

3 Kommentare

  • Rainer Missing:

    Bei der Zustellung auf der „letzten Meile“ wird ja schon eifrig von einigen Großunternehmen mit Drohnen experimentiert.
    Auch der Nachbar, der Privatmann als Paketzusteller oder Paket-Station ist einem großen amerikanischem Unternehmen nach nicht mehr all zu weit von der Realität entfernt.

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